Bernhard Allenbach, Verkäufer im Technikshop der Ruag, kam über die Verkaufspraktiken seines Arbeitgebers ins Grübeln. Eigentlich müsste die Ruag als bundeseigener Rüstungsbetrieb versuchen, das ausgemusterte Armeematerial zu einem möglichst hohen Preis zu veräussern. Stattdessen machen einige private Grosshändler den grossen Reibach.

So etwa der Händler Ernst R. Er kauft von der Ruag 40 geländegängige Mannschaftstransporter zum Stückpreis von 2800 Franken. Beim Weiterverkauf schlägt er ordentlich drauf: 6000 Franken kostet ein Pinzgauer nun. R. verdient an dem Geschäft 128'000 Franken. «Warum realisiert die Ruag den Gewinn nicht selber?», fragte sich Allenbach. «Warum werden die wenigen Grosshändler so bevorzugt? Und wie kommt es, dass Ernst R. die Pinzgauer gar nicht mitnimmt?» Immerhin auf Letzteres fand Allenbach schnell eine Antwort: Sie werden direkt vom Ruag-Gelände zu R.s Kunden verschoben.

Allenbach nimmt zuerst den Dienstweg. Er sammelt Schriftstücke, die die Bevorzugung dokumentieren. Diese Papiere übergibt er dem Generalsekretär der Ruag. Eine interne Revision wird durchgeführt, doch die merkwürdigen Geschäftspraktiken bleiben. Allenbach informiert einen persönlichen Berater von Bundesrat Samuel Schmid. Jetzt reagieren die Ruag-Verantwortlichen – aber nicht in Allenbachs Sinn:

Er wird freigestellt, sein Anstellungsverhältnis gekündigt. Die Ruag erstattet Anzeige gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf Weitergabe vertraulicher, firmeninterner Dokumente.

«Dem Bschiss am Volk konnte ich nicht zusehen», sagt Allenbach. Er geht an die Öffentlichkeit, diverse Berichte erscheinen. «Ich kann zu meinem Tun stehen, weil ich sicher bin, dass es moralisch richtig ist.» Mit seinem Pflichtbewusstsein hat sich der 35-Jährige Ärger und Kosten eingebrockt. Würde er wieder so handeln? «Natürlich. Wenn es darum geht, der Wahrheit ans Licht zu verhelfen, muss man handeln.»

Inzwischen hat Bernhard Allenbach eine neue Stelle gefunden: «Kein Traumjob. Aber zumindest liege ich niemandem auf der Tasche», sagt er. Die Hand voll bevorzugter Grosshändler macht weiterhin beste Geschäfte mit der Ruag – auf Kosten der Steuerzahlenden.

Quelle: Ursula Meisser