«Diese Rechnungen sind gefälscht», fährt es Reto Meyer durch den Kopf, als er im Sommer 1999 die Anweisung erhält, mehrere hunderttausend Franken auszuzahlen. Schwierig zu durchschauen ist die Fälschung überhaupt nicht, denn als Zahlungsgrund sind dort plump «immaterielle Leistungen» angegeben.

Aber Meyer, damals Geschäftsleiter der Schweizerischen Zentralstelle für Baurationalisierung (CRB), ist in einer verzwickten Lage: Von den erfundenen Rechnungen profitieren drei Verbände der Bauwirtschaft – und diese haben bei dem eigentlich gemeinnützigen Verein CRB das Sagen. Meyer informiert die Rechnungsprüfung und die CRB-Spitze über seine Vorbehalte. Denn für ihn ist eines klar: «Bei diesem Betrug mache ich nicht mit.»

Weil die Rechnungsprüfung die Zahlungen nicht beanstandet, muss Reto Meyer sie schliesslich widerwillig mit unterschreiben. Korrekt war die Buchhaltung in Meyers Augen jedoch nicht.

Trotz seinem gegenüber dem Arbeitgeber korrekten und loyalen Vorgehen wird der heute 58-Jährige einige Monate später entlassen – mit einer nichts sagenden Begründung. «Es war eine Rachekündigung für die Kritik an der frisierten Buchhaltung», sagt Meyer. Er informiert die rund 5000 Vereinsmitglieder der CRB. Viele ermuntern ihn unter vier Augen. Offene Kritik an der CRB-Führung wagen aber nur wenige.

Die grösste Enttäuschung bereitet Reto Meyer die Justiz: Die Bezirksanwaltschaft Zürich hat immer noch nicht entschieden, ob sie Anklage gegen die CRB-Spitze erheben will. Dabei hatte Meyer bereits im Jahr 2000 eine Anzeige eingereicht – und 2002 hatten drei Verantwortliche Urkundenfälschung zugegeben, angeblich ohne Vorsatz.

Ob er besonders mutig gehandelt habe, will Meyer nicht beurteilen. Gelernt hat er, «dass ehrliche Angestellte der Rache krimineller Arbeitgeber schutzlos ausgeliefert sind». Er hofft, dass der Nationalrat einem Vorstoss für mehr «Schutz für Hinweisgeber von Korruption» zustimmt. «Sonst wird ein Kritiker zum Winkelried: mutig, aber erstochen.»

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