Sekunden entschieden über Leben und Tod, als am 12. Februar 2004 auf der Autobahn A12 bei Flamatt ein Personenwagen ins Schleudern geriet, meterhoch durch die Luft katapultiert wurde und schliesslich am Wiesenbord in Flammen aufging. Der 46-jährige Mechaniker Fritz Luchsinger sah den Unfall von seinem Arbeitsort aus und rannte los. Naser Zubaku, ein 32-jähriger Kurier, hielt sein Fahrzeug an und eilte ebenfalls herbei. Die beiden Männer, die sich nie zuvor begegnet waren, zögerten keinen Moment. Durch das zerborstene Seitenfenster retteten sie die Insassen, eine Mutter mit ihrem zweijährigen Sohn, aus dem bereits brennenden Auto. Sekunden später stand der Wagen in Vollbrand.

Für ihren mutigen Einsatz konnten die beiden Lebensretter am Samstagabend in Zürich aus den Händen von Jurypräsident und alt Bundesrat Otto Stich den Siegercheck über 25'000 Franken in Empfang nehmen. Es sei zurzeit viel von jugendlichen Rasern aus dem früheren Jugoslawien die Rede, von «Machos aus dem Balkan», sagte Stich in seiner Laudatio. Mit der Auszeichnung von Naser Zubaku und Fritz Luchsinger setze die Jury bewusst ein Zeichen: «Wir wollen, dass auch positive Handlungen von Ausländern Schlagzeilen machen.» In solchen Situationen gebe es die viel beschworenen Gegensätze zwischen Schweizern und Ausländern nicht, erklärte Stich weiter: «Es zählt nur noch der Charakter.»

Fritz Luchsinger und Naser Zubaku treten somit die Nachfolge von Christian Sauter an. Der emeritierte Onkologie-Professor war vor einem Jahr mit dem Prix Courage ausgezeichnet worden, weil er an der Universität Zürich einen Titelbetrug aufgedeckt hatte.

Publikumspreis geht an Initiantinnen der Verwahrungsinitiative
Eine ganz andere Art von Mut zeichneten die Leserinnen und Leser des Beobachters mit dem mit 10'000 Franken dotierten Publikumspreis aus. Geehrt wurden die beiden Initiantinnen der «Verwahrungsinitiative», Doris Vetsch und Anita Chaaban aus dem St. Galler Rheintal. Nachdem die damals 13-jährige Tochter von Doris Vetsch von einem Wiederholungstäter sexuell misshandelt und beinahe erwürgt worden war, lancierten die beiden Frauen die Volksinitiative «Lebenslange Verwahrung für nicht therapierbare, extrem gefährliche Sexual- und Gewaltstraftäter». Von Politikern nicht ernst genommen, von den Medien – auch vom Beobachter – kaum beachtet, kämpften sie sich durch Gesetzestexte, sammelten praktisch im Alleingang die notwendigen 100'000 Unterschriften und konnten schliesslich in der Volksabstimmung einen unerwartet deutlichen Erfolg feiern.

Der Beobachter halte die von den beiden Frauen initiierte Lösung auch heute noch für verfehlt, erklärte Chefredaktor Balz Hosang in seiner Laudatio: «Aber der Mut und die Hartnäckigkeit von Doris Vetsch und Anita Chaaban haben der Redaktion und auch der Leserschaft des Beobachters imponiert. Der Publikumspreis ehrt nicht nur zwei starke Frauen. Er setzt auch ein deutliches Signal zugunsten der Opfer sexueller Übergriffe.»