«Manchmal erscheint mir meine Geschichte wie ein Alptraum, der nichts mit meinem jetzigen Alltag zu tun hat.» Lea Saskia Laasner führt wieder ein normales Leben, besucht eine Handelsschule und hat festen Boden unter den Füssen. Ein Neubeginn nach einer traumatischen Zeit: Neun Jahre verbrachte sie in einer esoterischen Sekte, wurde vom Guru sexuell missbraucht und durfte nicht zur Schule.

Die Gruppe verehrt das Geistwesen Maghan, das sich durch ein so genanntes Medium mitteilt. In den neunziger Jahren betreibt die damals 40-köpfige Maghan-Sekte, als Hilfswerk getarnt, eine Farm im zentralamerikanischen Belize. Lea Saskia Laasner lebt mit ihrer ganzen Familie dort, doch zu ihren Eltern und zu ihrem Bruder hat sie keinerlei Beziehungen. Die Kontakte werden vom Guru und vom Medium unterbunden – um ihren Anhängern den Weg in angeblich höhere spirituelle Sphären zu ebnen.

Vor drei Jahren gelingt der heute 24-Jährigen die Flucht aus der Sekte, seit 2003 lebt sie wieder in der Schweiz. «Endlich hatte ich die Chance, mein Leben selber in die Hand zu nehmen – zum ersten Mal.» Laasner schreibt ihre Geschichte zusammen mit dem Sektenexperten Hugo Stamm nieder. «Ein Befreiungsschlag», wie sie sagt. Ihr Buch «Allein gegen die Seelenfänger» ist über 40'000-mal über den Ladentisch gegangen. Die junge Frau scheut sich nicht, mit Namen und Bild an die Öffentlichkeit zu treten – obwohl ihr davon abgeraten worden ist. «Doch mir geht es um die Glaubwürdigkeit, und ich will aktiv etwas machen. Nur so kann ich mich wehren.»

Mut beweist Lea Saskia Laasner nicht nur mit dem Gang an die Öffentlichkeit. «Am meisten Mut kostete mich die Flucht. Doch wenn man auf dem Nullpunkt angelangt ist, hat man nichts mehr zu verlieren.» Einen weiteren mutigen Schritt tut sie hier in der Schweiz: Sie reicht eine Strafanzeige gegen den Guru ein. Das Ermittlungsverfahren läuft.

Quelle: Gerry Nitsch