Es klingt paradox: Der heute 13-jährige Daniel Bürkli wird geehrt, weil er sich nicht wie die erwachsenen Vorbilder verhalten hat. Als er am 8. Dezember 2005 mit dem Zug in Horgen eintrifft, gerät er in eine gespenstige Situation: Auf dem Perron sticht ein Mann mit einem Messer auf einen andern ein. Das Opfer liegt blutüberströmt am Boden, verletzt von Stichen ins Gesicht, in den Bauch, in den Rücken. Rund 30 Personen sind Zeugen dieser Situation, niemand hilft dem Opfer, nicht einmal die Polizei wird gerufen.

Daniel tut das Naheliegende und Richtige: Er hilft dem Opfer auf die Beine, stützt den Mann und führt ihn zum Arzt. Die rasche Hilfe von Daniel war wohl lebensrettend: Einer der Messerstiche hatte die Lunge verletzt, das Opfer litt bereits unter massivem Blutverlust.

So beschämend die Nichtreaktion der erwachsenen Zuschauer bei der Bluttat war, so überzeugend war das Verhalten von Daniel. Es wird mit dem Publikumspreis 2006 und einem Check über 10'000 Franken belohnt.

Laudatio von Balz Hosang, Chefredaktor Beobachter

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