Als die US-Bank Lehman Brothers im September 2008 in Konkurs ging, verlor Calista Gabriela Fischer die Hälfte ihres Vermögens. Weil sie der Credit Suisse (CS) vertraute, als diese sie dazu überredet hatte, in ein «100 Prozent sicheres Anlageprodukt» zu investieren, das «besser rentiert» als Obligationen- oder Aktienfonds. Die Pleite machte aus dem «Wertpapier», aus dem Erbe der Grosseltern, ein Stück Altpapier.

Im Internet fand sie die Mailadresse eines weiteren Betroffenen; flugs waren ein paar Geschädigte beisammen, eine Selbsthilfegruppe gebildet, und Calista Fischer übernahm deren Führung – weil sie sich als Kommunika­tionsexpertin dazu eignete, weil die anderen sie dazu animierten und vor allem weil sie an ihre Mission glaubte: «Die CS darf nicht ungeschoren davonkommen. Nur zusammen haben wir eine Chance.»

Das Engagement hatte Risiken: Sie fürchtete, von der Bank eingeklagt zu werden, und trat zuerst nur als «Dorthe L.» auf. Zu Recht: Einem anderen ­Geschädigtenvertreter hängte die CS einen Ehrverletzungsprozess an.

Hartnäckigkeit hat sich gelohnt

Fischer agierte geschickter: Sie ermu­tigte Betroffene, verhandelte mit Anwäl­ten, textete die Website, ersann Aktio­nen – alles neben Job und Familie, bis die 46-Jährige vor Erschöpfung kaum mehr konnte. Doch die Hartnäckigkeit zahlte sich aus: Langsam rückte die CS von ihrer unnachgiebigen Haltung ab; ein Teil der mehreren tausend Geschädigten, auch Fischer, hat Entschädigungsangebote erhalten.

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