Marie-Rose Genoud ist Ursulinen-Nonne im Wallis. Ein Leben hinter dicken Mauern? Keineswegs. Die 70-jährige Schwester wohnt zwar im Kloster Sitten, mit ihrem Engagement für die vielleicht Schwächsten in der Schweiz hat sie aber den ganzen Kanton in die Knie gezwungen. Über zehn Jahre dauerte ihr Kampf gegen die Willkür des Kantons Wallis, der Asylbewerbern illegal Geld abgeknöpft hatte.

Jeden Monat zog ihnen der Kanton zehn Prozent vom Lohn ab als vorgezogene «Schuldenrückzahlung», sollten diese einmal von der Sozialhilfe abhängig werden. Dies obwohl bereits der Bund – zu Recht – einen Betrag zur Rückerstattung von Fürsorgeleistungen einzieht. Asylbewerber im Wallis wurden also gleich doppelt zur Kasse gebeten.

Bis zum höchsten Gericht

Gegen diesen Missstand kämpfte Marie-Rose Genoud bis vor Bundesgericht an. 2008 erhielt sie definitiv recht. Zwar räumte die Walliser Regierung bereits 2004 Fehler ein. Als sie das mittlerweile an den Bund weitergeleitete Geld zurückfordern wollte, lehnte der damalige Justizminister Christoph Blocher ab; die Asylbewerber hätten gesetzliche Rekursfristen nicht eingehalten. Jetzt sollen die Betroffenen vom Kanton Wallis entschädigt werden.

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Für Marie-Rose Genoud ist der Erfolg vor Bundesgericht kein Grund, ihr Engagement jetzt einzustellen. Persönlich vor Ort und in telefonischen Beratungen steht sie Asylbewerbern nach wie vor mit Herz und Verstand zur Seite – Menschen, die der Behördenwillkür ganz besonders ausgeliefert sind.