Joachim Maire war ein typischer ­Raser, er vergötterte sein Auto, wollte damit Frauen imponieren und hatte ein Alkoholproblem. Das kostete seine Exfreundin am 6. Juni 2003 das Leben. Der damals 30-Jährige baut mit seinem getunten VW Golf, übersetzter Geschwindigkeit und 2,04 Promille ­Al­kohol im Blut bei Aigle VD eine Fron­talkollision. Die Frau stirbt, Maire wird auf der Unfallstelle wiederbelebt. 2005 kommt er vor Gericht, verbringt ein Jahr im ­Ge­fängnis und ist monatelang mit einer elektronischen Fussfessel zu Hause in Vallorbe «angebunden». Es folgen zweieinhalb Jahre ­Therapien. Seine Strafe vollständig verbüsst hat er erst im Herbst 2009.

«Erst hinter Gittern begriff ich, was ich wirklich getan hatte. Wegen der Sucht nach Geschwindigkeit und Alkohol zerstörte ich zwei Familien. Diejenige meiner Freundin und ­meine ­eigene.» Joachim Maire hat sein Leben radikal verändert. Letzten Herbst gründete der gelernte Sanitär­installateur die Organisation Les Anges de la Route. Weil er in seinem Beruf nicht mehr arbeiten kann, hat er sich nun der Präventionsarbeit verschrieben. Er scheut sich nicht, seine Geschichte auch dort zu erzählen, wo es für ihn ungemütlich ist: an Autoshows, Sommerfesten und Technopartys. Oder er sammelt mit Hinterbliebenen von Raseropfern Unterschriften für die Raserinitiative. Heute sagt er: «Ich hatte beim Aufwachen im Spital die Chance zu einem neuen Leben. Ich will sie wahrnehmen.»

Mit seiner Arbeit steht Maire ­öffentlich dazu, dass er den Tod eines Menschen verschuldet hat. Er führt wöchentlich Tausenden von Party­gängern und Autofans vor Augen, ­welche dramatischen Folgen Alkoholkonsum und überhöhte Geschwindigkeit auf der Strasse haben können. Für Opfer und für Täter.