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Prix Courage 2010 Mutiger Autist und Whistleblowerinnen ausgezeichnet

Die beiden Publikumspreisträgerinnen und der Jurypreisträger Bild: Adi Bitzi, usgang.ch

Die Preisträger des Prix Courage 2010 der Zeitschrift Beobachter heissen Marc Hofmann, Margrit Zopfi und Esther Wyler.

von Beobachter Medienmitteilungaktualisiert am 2010 M09 10

Anlässlich einer grossen Gala mit viel Prominenz in der Schiffswerft Zürich Wollishofen durften sie am Freitagabend den mit 25'000 Franken dotierten Jury- beziehungsweise den mit 10'000 Franken ausgestatteten Publikumspreis entgegennehmen.

Im Beisein zahlreicher Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Medien verlieh die Zeitschrift Beobachter am Freitagabend anlässlich einer feierlichen Gala den Prix Courage 2010. In ihrem Grusswort an die neun nominierten «Heldinnen und Helden des Alltags» und an die Gäste sagte Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer-Wyss: «In unserer Gesellschaft war und ist unerschrockenes, beherztes Eingreifen gegen Unrecht immer wieder nötig. Das kann auch in Zukunft nicht einzig und alleine Aufgabe der Ordnungshüter sein; das ist auch ein Teil der Aufgabe von uns allen, einzeln und gemeinsam.»

Die Jury unter der Leitung des Schriftstellers Franz Hohler ehrte den 24-jährigen Basler Marc Hofmann – er ist Autist – mit dem Jury-Preis in der Höhe von 25'000 Franken für seine ausserordentliche Zivilcourage. Hofmann hatte im vergangenen November ein Paar vor einer Schlägerbande gerettet und wurde dabei selber spitalreif geprügelt. Als er auf seinem Nachhauseweg frühmorgens bemerkte, wie mehrere junge Männer auf ein Pärchen eindroschen, stellte er sich kurzentschlossen dazwischen – verbal eingreifen konnte er nicht, als Autist ist sein Sprachvermögen eingeschränkt. Die Schläger ergriffen die Flucht. Einige Minuten später aber griffen sie Hofmann wieder auf und fielen über ihn her, brachen ihm mit Schlägen und Tritten ins Gesicht Nase und Kiefer. Neun Tage verbrachte er im Spital. Die Staatsanwaltschaft Basel Stadt hat gegen die drei Haupttäter Anklage wegen mehrfachen versuchten Mordes erhoben. Franz Hohler hob in seiner Laudatio hervor:«Mit einer autistischen Behinderung gehört Marc Hofmann zu den Schwächeren unter den Mitmenschen, und ausgerechnet der Schwächere ist es, der denen, die noch schwächer sind, zu Hilfe kommt. Diese Geschichte einer bedingungslosen und fast aussichtslosen Tapferkeit hat die Jury des «Prix Courage» beeindruckt und berührt, und sie hat beschlossen, Herrn Marc Hofmann den «Prix Courage» des Jahres 2010 zuzusprechen.»

Die Mehrheit der Leserinnen und Leser des Beobachters gaben ihre Stimme für den mit 10'000 Franken dotierten Publikumspreis den ehemaligen Angestellten des Zürcher Sozialdepartements Margrit Zopfi und  Esther Wyler. Sie hatten im Jahr 2007 Unregelmässigkeiten in der Zürcher Sozialhilfe publik gemacht und damit schweizweit eine heftige Debatte über mangelhafte Kontrollen ausgelöst. Die 60-jährige Zopfi und die 51-jährige Wyler zahlten dafür einen hohen Preis: Sie wurden im Oktober 2007 verhaftet und wegen Amtsgeheimnisverletzung angeklagt und ihrer Stellen enthoben. Das Bezirksgericht Zürich sprach sie im Herbst 2009 vom Vorwurf frei, jetzt muss das Zürcher Obergericht über den Fall entscheiden.

Zwischenzeitlich haben die beiden Frauen den Verein «Pro Courage» gegründet, eine Plattform für Menschen, die sich zum Thema Zivilcourage und Whistleblowing austauschen wollen. «Margrit Zopfi und Esther Wyler haben Mut gezeigt, den wir auch von unseren Politikern wünschen. Den Mut Wahrheiten auszusprechen, auch wenn sie wehtun», sagte Andres Büchi in der Laudatio für die beiden Frauen.

Über den Prix Courage

Der Prix Courage des Beobachters wird seit 1997 verliehen. Er zeichnet besonders charaktervolle und mutige Frauen und Männer aus, die bei Fehlverhalten und Übergriffen couragiert eingreifen, die eigene Risiken oder Nachteile in Kauf nehmen, um Menschen zu Hilfe zu eilen, oder die sich selbstlos für eine offene, solidarische und gerechte Schweiz einsetzen – die «Heldinnen» und «Helden» des Alltags. Der Prix Courage besteht aus einem Jurypreis und einem Publikumspreis.