Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer erschien in Begleitung ihres Weibels, um die Bedeutung des Anlasses zu unterstreichen. Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kultur applaudierten, als Margrit Zopfi und Esther Wyler in der Werfthalle der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft den mit 10'000 Franken dotierten Prix-Courage-Publikumspreis entgegennehmen konnten. Die beiden Ex-Angestellten des Zürcher Sozialdepartements hatten Missstände in der Sozialhilfe publik gemacht und so eine Debatte über mangelhafte Kontrollen entscheidend geprägt. Der mit 25'000 Franken dotierte Preis der Jury ging an den Basler Marc Hofmann. Der 24-Jährige hatte ein Paar vor einer jugendlichen Schlägerbande gerettet und wurde dabei selber spitalreif geprügelt.

Ein hoher Preis für das Engagement

«Die Verleihung des Prix Courage war eines der schönsten Erlebnisse. Besonders gefreut hat uns der Umstand, dass es die Leser des Beobachters waren, die uns den Preis verliehen haben», sagt Zopfi rückblickend. «Dass der Beobachter klar zu uns stand, war ein sehr wichtiges Zeichen», fügt Esther Wyler hinzu. Beide haben ihr Engagement teuer bezahlt. Als bekannt wurde, dass sie interne Daten an die «Weltwoche» geliefert hatten, wurden sie an ihrem Arbeitsplatz verhaftet. Die damalige Sozialvorsteherin Monika Stocker kündigte ihnen fristlos.

Beide blieben eine Zeitlang ohne Stelle. Margrit Zopfi arbeitet heute im Sekretariat von Christoph Blochers Firma Robinvest. Esther Wyler erhielt beim Sozialamt Ostermundigen eine befristete Stelle. Der Arbeitsvertrag endet jedoch im Mai und wird nicht verlängert. «Eine andere Zusage ist nie gegeben worden», heisst es vonseiten der Gemeinde. Wyler vermutet einen Zusammenhang mit ihrer Vergangenheit. «Vielleicht gibt es bei manchen Leuten eine Doppelmoral: Man findet zwar privat gut, was wir getan haben, möchte aber nicht öffentlich dazu stehen», sagt Wyler.

Im Januar versetzte das Zürcher Obergericht den beiden Frauen einen Dämpfer. Waren sie in erster Instanz vom Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung noch freigesprochen worden, erfolgte nun ein Schuldspruch. «Das hat mich sehr enttäuscht. Die Richter hätten mit ebenso guten Gründen auch anders entscheiden können», sagt Zopfi. Mit 20 Tagessätzen zu 80 Franken fiel die Strafe allerdings gering aus, auf eine Busse verzichteten die Richter ganz. Den beiden Frauen wurden aber Gerichtskosten von knapp 8000 Franken auferlegt. Ausserdem müssten sie der Stadt Zürich eine Entschädigung von 5000 Franken zahlen. Die Stadt will aber darauf verzichten.

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Die Täter entschuldigten sich schriftlich

Auch im Leben von Marc Hofmann, der den Jurypreis erhielt, spielte im letzten Jahr ein Gericht eine Rolle. Hofmann wurde für sein mutiges Eingreifen ausgezeichnet. In einer Nacht in der Basler Rebgasse prügelten drei junge Schläger ohne Grund auf ein Paar ein, das sich auf dem Heimweg befand. Hofmann ging dazwischen und wurde dafür selber verprügelt. Er erlitt mehrere Frakturen im Gesicht und musste operiert werden.

Im Dezember 2010 wurden die drei aus der Region stammenden Schweizer (21 bis 23 Jahre alt) zu Freiheitsstrafen zwischen fünfeinhalb und sechseinhalb Jahren verurteilt. Das Strafgericht sprach die jungen Männer der mehrfachen versuchten Körperverletzung und des Angriffs schuldig. Alle drei haben sich schriftlich bei Hofmann entschuldigt. «Ich glaube, das war ehrlich gemeint. Für mich ist die Sache nun in Ordnung», sagt der heute 25-Jährige.

In den Monaten nach der Preisverleihung wurde der Autist Hofmann öfter auf der Strasse erkannt und auf seine Tat angesprochen. «Das machte mich stolz», sagt er. Mittlerweile habe sich der Rummel aber ein wenig gelegt. Das sei ihm auch recht.

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Redaktion Beobachter
Kandidaten Prix Courage
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8021 Zürich
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Einsendeschluss ist der 31. Mai 2011

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