Vendlincourt wird eine stille Gemeinde im Jura bleiben. Zu verdanken ist dies Michèle und Jean-Marc Christe, Raoul Challet sowie Bernard Hengy, die hartnäckig den Bau einer Autoteststrecke verhindert haben. Zuweilen wurden sie deshalb im Dorf nicht mehr gegrüsst, Vereine zeigten ihnen die kalte Schulter. Für ihren Einsatz zeichnete sie der Beobachter mit dem Prix Courage 2011 aus.

Zivilcourage beginnt im Kleinen. Zu dieser Einsicht kamen auch die Spiezer Gemeindebehörden, nachdem in vergangenen Jahren Vandalismus, Saufgelage und Anpöbelungen im öffentlichen Raum zugenommen hatten. Sogar eine Scheibe der Aufbahrungshalle des Friedhofs wurde eingeschlagen. «Das war nicht mehr einfach ein Nachtbubenstreich, sondern hatte eine andere Qualität», sagt die Spiezer Gemeinderätin Jolanda Brunner.

Man rief das Projekt «Spiez schaut hin» ins Leben: Botschafter für Zivilcourage sollen ausgebildet werden. Die Ausbildung soll sie befähigen, im Alltag deeskalierend einzugreifen. «Wir wollen ausdrücklich keine Bürgerwehr. Vielmehr soll die Bevölkerung ermuntert werden, bei Vandalismus und ähnlichen Vorfällen hinzuschauen, sich einzusetzen oder Hilfe zu holen», sagt Brunner.

Anzeige

Support vom Beobachter-Chef

Bereits Mitte März trafen sich rund 50 Interessierte im Spiezer Schulzentrum Längenstein zu einer Infoveranstaltung, darunter Beobachter-Chefredaktor Andres Büchi, der das Projekt ausdrücklich unterstützt. «Weil niemand als Bünzli gelten will, sind wir zu einer Laisser-faire-Gesellschaft geworden, die unter dem Begriff Toleranz alles durchwinkt, was irgendeine Minderheit als ihre individuellen Bedürfnisse definiert», so Büchi. Die Gesellschaft brauche Menschen mit Charakter, Menschen mit dem Mut, dem inneren moralischen Kompass zu folgen, auch um den Preis eigener Nachteile.

Auch dieses Jahr verleiht der Beobachter wieder seinen Prix Courage. Zuerst allerdings sind Sie gefragt, liebe Leserinnen und Leser. Kennen Sie ­einen mutigen Menschen, der den diesjährigen Prix Courage des Beobachters verdient? Schicken Sie uns einen Brief oder eine E-Mail mit Angaben zur mutigen Person und einer Beschreibung der Tat, die Sie für preiswürdig halten.

Senden Sie uns Ihre Vorschläge:
Redaktion Beobachter
Kandidaten Prix Courage
Postfach
8021 Zürich
kandidaten@beobachter.ch
Einsendeschluss: 31. Mai 2012