Noch am Tag, an dem er angeklagt wurde, versuchte der Bischofszeller Stadtammann Josef Mattle den Beobachter zum Rückzug einer Prix-Courage-Kandidatur zu bewegen. Die Bischofszeller Staatsanwaltschaft wirft Mattle ungetreue Amtsführung und ungetreue Geschäftsbesorgung vor. Für den Politiker gilt die Unschuldsvermutung.

Auslöser der Untersuchung war Prix-Courage-Kandidat Julius Schulthess, der 2012 als Finanzverwalter den Stadtrat auf eine fragwürdige Zahlung von 54'000 Franken an die Tour-de-Suisse-Organisatorin International Management Group AG (IMG) aufmerksam machte und eine Abklärung durch einen externen Experten verlangte. Schulthess ist einer der Kandidaten für den diesjährigen Prix Courage.

Nach Anzeige Job verloren

Das Velorennen hatte 2012 in Bischofszell haltgemacht. Dafür mussten der IMG Lizenzgebühren bezahlt werden. Weil zu wenig Sponsoring­gelder zusammenkamen, bezahlte der Stadtammann die fällige Rechnung aus der Stadtkasse. Dies im Widerspruch zu einem dem Beobachter vorliegenden Stadtratsbeschluss, im dem ausdrücklich nur Kosten für Strom, Wasser, Infrastrukturen und Personaleinsätze sowie eine De­fizitgarantie von maximal 20'000 Franken bewilligt wurden.

Nachdem sich der Stadtrat ungenügend für eine Klärung der Zahlung eingesetzt hatte, erstattete Schulthess Strafanzeige gegen seinen Arbeitgeber. Ein mutiges Vorgehen, für das er teuer bezahlen musste. Erst wurde der 63-Jährige freigestellt, dann entlas­sen.