Was tun wir, wenn wir Schüsse hören? Erst glauben wir wohl, der Knall habe eine andere ­Ursache. Ein Stein, der auf ein Blech fällt. Eine Tür, die zuschlägt. Ein Velopneu, der platzt. Das dachte sich auch Urs Hulliger. Doch dann sah er einen Mann mit Pistole. Und eine Frau, die sich den Bauch hielt. Wie hätten wir reagiert? Hulliger lief auf die Frau zu und zog sie in Sicherheit. Der Gutachter wird später feststellen: Das Loch in Hulligers Hemd stammt von einer Kugel.

Der Familienvater rettete die Frau ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit. Sich ins Schussfeld eines Mannes mit geladener Waffe zu stürzen braucht Mut. Und es zeugt von Bescheidenheit, wie Hulliger zu sagen: «Ich bin froh, es getan zu haben.»

Immer wieder fällt die Bescheidenheit auf bei den Nominierten für den Prix Courage. Ohne Zögern springt Lorenzo Querci an einem Freitagabend in die 13 Grad kalte Limmat, um einen Mann zu retten, der zu ertrinken droht. Das sei selbstverständlich, sagt der Student. Die Helden des Alltags verlieren auch dann kaum Worte, wenn sich ihr Engagement über Jahre hinzieht. Wie Ursula Biondi, Jean-Louis Claude, Bernadette Gächter und Walter Emmisberger. Sie zählen zu den Menschen, die man bis in die achtziger Jahre willkürlich in Anstalten und Gefängnisse steckte. Sie hatten den Mut, hinzustehen und sich öffentlich der Pein ihrer Jugend zu stellen.

Zivilcourage gefällt nicht allen

Auch Bozena Domanska wagte den Schritt an die Öffentlichkeit. Die Polin arbeitete als 24-Stunden-Pflegerin. Dann verlangte ihr Chef, sie müsse neu zwei Personen pflegen – bei gleichem Lohn. Domanska wehrte sich – und wurde entlassen. Seither wehrt sich Domanska auch für andere. Sie gründete das Netzwerk Respekt, bei dem sich ausgebeutete Pflegerinnen melden können, und muss in der Branche mit dem Image des schwarzen Schafs leben – genau wie Kurt Marti. Der Journalist schaute genau hin und schrieb, was er sah. Auch Prozesse konnten ihn nicht stoppen. Auch wenn er im Wallis ein Aussenseiter geworden sei, bleibe er gern Journalist.

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Mit den Oberen hat sich auch Julius Schulthess angelegt. Weil er als Finanzverwalter nicht zuschauen wollte, wie der Stadtammann von Bischofszell seine Kompetenzen überschritt, erstattete Schulthess Strafanzeige; der Ammann stellte ihn frei. Seither ist der 63-Jährige arbeitslos. Das habe ihm grosse Mühe bereitet, sagt Schulthess. Anders handeln würde er aber trotzdem nicht.

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Als Ergänzung zum Hauptpreis, ­dotiert mit 25'000 Franken und ver­liehen von der Jury, entscheiden die Leserinnen und Leser des Beobachters über den Publikumspreis, dotiert mit 10'000 Franken.
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Annahmeschluss ist der 1. September 2013.

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Der Beobachter verlost unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Wahl zum Publikumspreis zwei Übernachtungen für zwei ­Personen im Hotel Hof Weissbad im Appenzellerland, idyllisch am Fusse des Alpsteins gelegen.
www.hofweissbad.ch

Teilnahmeschluss für die Verlosung ist der 1. September 2013.

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