Zwei Meldungen aus den Medien im März 2013: Ein 24-jähriger, mit einem Messer bewaffneter Mann bedrängt am Zürcher Bahnhof Hardbrücke zehn Minuten lang ein Opfer. Keiner der Umstehenden greift ein oder auch nur zum Handy, um die Polizei zu rufen. Und: Eine Untersuchung der Revisions- und Beratungsfirma KPMG in 64 Fällen von Wirtschaftskriminalität zeigt: In mehr als einem Drittel der Fälle waren die Täter eigene Top­kader. Durchschnittliche Deliktsumme: 11,4 Millionen Franken pro Straftat.

Zwei Meldungen, wie sie täglich in der Zeitung stehen. Zwei Meldungen, bei denen es um Sicherheit und Verantwortung geht. Zwei Meldungen, die uns zeigen, dass bei beidem etwas gefährlich aus dem Lot geraten ist in den letzten zehn, zwanzig Jahren.

Energie und Einsatz werden nur noch in eigene Ziele gesteckt. Risiken nehmen wir zwar durchaus in Kauf, aber bloss dort, wo sie den unmittelbar eigenen Interessen dienen. Alles andere haben wir delegiert an den anonymen Staat. Wir beobachten eine Anspruchsinflation und eine Verantwortungserosion.

Diese Entwicklung hat sich seit dem Fall der Berliner Mauer und der darauf folgenden radikalen Globalisierung der Wirtschaft verschärft. Es gilt unter dem Titel angeblicher Freiheit einzig das Recht des Stärkeren, nur vordergründig verbrämt durch soziale Tranquilizer. Der schnelle Gewinn, egal, um welchen Preis, ist heute das vorherrschende Ziel.

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Denn wers schafft, darf sich medial feiern lassen. Der Kampf um individuelle Aufmerksamkeit und Erfolg ist so zum Mass aller Dinge geworden, Egoismus zur Leitwährung der Gegenwart.

Das Leben als Wunschprogramm

Flächendeckend zelebrieren wir den Gangnam Style auf der Jagd nach Geld, Party und Selbstverwirklichung. Wenns schiefgeht oder unsere Wünsche nicht in Erfüllung gehen, solls Vater Staat richten, ganz nach dem Motto: «Ich bin ein Star, holt mich hier raus.» Das Leben als Wunschprogramm mit staatlich garantiertem Kaskoschutz.

Doch die Freiheiten dazu, die uns so selbstverständlich scheinen, sind nicht auf Dauer garantiert. Denn keine Freiheit ist ohne Verantwortung zu haben. Wer Freiheit will, muss sich dafür einsetzen, dass niemand sie zulasten anderer missbraucht. Diese Verantwortung fürs Gemeinwohl lässt sich nicht auslagern an den Staat. Sie liegt bei jedem Einzelnen. Sie nennt sich Zivilcourage.

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Solch moralischer Mut zeigt sich in Anstand, einem sicheren Gefühl für grundsätzliche Werte, in Aufrichtigkeit und in der Kraft, für diese Ziele einzustehen. Zivilcourage ist deshalb der beste Ausdruck von Integrität, der beste Garant für Fairness und den Zusammenhalt der Gesellschaft.

Helfen Sie uns, Zivilcourage in der Schweiz zu fördern. Helfen Sie mit, indem Sie uns Helden des Alltags nennen. Menschen, die für den Prix Courage 2013 in Frage kommen.

Menschen, die sich einmischen, wenn an­dere bedroht werden oder zu Schaden kommen. Menschen, die eingreifen, wenn wichtige Regeln gebrochen werden, wenn öffentliche oder private Einrichtungen mutwillig beschädigt werden.

Helfen Sie uns, Menschen zu finden, die den berühmten Unterschied ausmachen. Menschen, die auch in scheinbar ausweglosen Situationen, gegen alle Widerstände und Gefahr Durchsetzungskraft für ein höheres, uneigennütziges Ziel bewiesen haben. Menschen, die zum Helden taugen.

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Der Wille, es zu versuchen

Die Geschichte des Prix Courage zeigt, dass jeder ein solcher Held werden kann. Denn Helden werden nicht geboren. Helden erwachsen aus Situationen. Weil sie auch in scheinbar unmöglichen Situationen nicht kapitulieren, sondern auf ihre Fähigkeiten vertrauen. Weil sie den Willen haben, es zu versuchen, und den Glauben, es zu schaffen.

Sie retten Leben, indem sie bedrohten Menschen helfen und entschlossen eingreifen, selbst wenn sie sich damit selber in Gefahr bringen – wie jene drei Teenager Dines Dzaferi, Shqiprim Olluri und Ramon Amrhein, die 2011 einen 46-jährigen Mann vor dem Ertrinken im Rhein gerettet haben.

Sie benennen Missstände in einer Behörde oder in einer Firma, auch wenn sie damit ihren Job riskieren – wie die Whistleblowerinnen Esther Wyler und Margrit Zopfi, die Unregel­mässigkeiten im Zürcher Sozialamt angeprangert haben.

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Lassen wir uns nicht verbieten, die Wahrheit zu sagen, nur weil sie unbequem ist und politisch nicht korrekt. Lassen wir uns nicht ab­halten, Missstände zu benennen, nur weil wir Angst davor haben, als intolerant zu erscheinen. Lassen wir uns nicht einschüchtern vom lauten Schweigen rund um uns.

Prix Courage: Senden Sie uns Ihre Vorschläge


kandidaten@beobachter.ch

oder per Post:
Kandidaten Prix Courage
Postfach
8021 Zürich

Einsendeschluss: 31. Mai 2013