Erna Niedermann zog zwei ertrinkende Frauen aus der Thur

Erna Niedermann spaziert mit ihrem Hund an der Thur, als sie plötzlich Schreie hört. Eine Frau treibt mit dem Gesicht nach unten im Wasser, eine zweite fuchtelt daneben wild mit den Händen. Obschon das Ufer an dieser Stelle steil abfällt, stürzt sich die ­Flawilerin ins tiefe Wasser, ohne zu zögern: «Ich packte eine der Frauen am Arm und versuchte, sie ans Ufer zu ziehen.» Dabei habe sich auch die andere Frau an sie geklammert. Die 70-Jährige, die sich selbst als eher schlechte Schwimmerin be­zeichnet, riskierte einiges. Dennoch schaffte sie es irgendwie, die beiden Frauen heil ans Ufer zu bringen. ­«Diese Notsituation hat in mir Kräfte freigesetzt, die ich nie für möglich ­gehalten hätte», erklärt sich Erna Niedermann den glimpflichen ­Ausgang der Rettungsaktion.

«Wir sind Frau Niedermann unendlich dankbar für ihren Einsatz. Was sie ­getan hat, ist mutig und beeindruckend», sagt Charlotte Vögelin vom Zentrum für Asylbewerber, in dem ­eine der geretteten Frauen wohnt. Die 17-jährige Eritreerin liess es sich nicht nehmen, sich bei ihrer Retterin zu ­bedanken. «Die junge Frau hat mich umarmt und mir einen Blumenstrauss mit einer herzigen Dankeskarte übergeben», so Erna Niedermann. ­Wirklich couragiert findet sie ihre Tat selbst nicht: «Es ist doch selbstverständlich, dass man in einer solchen Situation hilft.»