Prix Courage 2016Kandidat 7

Zahlreiche Opfer trauten sich, zum ersten Mal über ihre von Gewalt und Missbrauch geprägte Kindheit zu sprechen – dank Guido Fluri. Bild: Christian Schnur

Guido Fluri setzt sich seit Jahren als treibende Kraft dafür ein, dass Verdingkinder endlich eine Entschädigung erhalten. Soll er den Prix Courage 2016 erhalten?

von Otto Hostettler

Die Schweiz steht kurz davor, Verdingkindern und anderen Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen für das erlittene Leid einen Anerkennungsbeitrag auszuzahlen. Das ist vor allem ein Verdienst von Guido Fluri. Er setzt sich seit Jahren als treibende Kraft für eine Aufarbeitung dieses düsteren Kapitels ein. 

Dazu lancierte Fluri eine Stelle, die seit 2010 Geschichten von Heimkindern dokumentiert und eröffnete für die Betroffenen eine Gedenkstätte in einem einstigen Kinderheim. Die Volksinitiative für eine finanzielle Wiedergutmachung lancierte er praktisch im Alleingang. 

Mit seinem Engagement wurde Fluri eine moralische Stütze für tausende Betroffene. Auch dank ihm wurde das jahrzehntelang in Vergessenheit geratene willkürliche Wegsperren von unbequemen Jugendlichen in der Öffentlichkeit wieder ein Thema. Manche Opfer trauten sich zum ersten Mal im Leben, über ihre von Gewalt und Missbrauch geprägte Kindheit im Waisenhaus zu sprechen. Oder über ihre Verzweiflung, als man sie zwangssterilisierte, ohne Gerichtsurteil wegsperrte, sie auf einem Bauernhof verdingte oder ihnen wegen Bagatellen die Kinder wegnahm. 

Nicht zuletzt erreichte Guido Fluri, dass sich der Staat für die oft willkürlich getroffenen «erzieherischen» Massnahmen entschuldigte. Das allein war für viele Opfer eine Genugtuung. Voraussichtlich wird nun bald ein staatlicher Solidaritätsbeitrag helfen, das Leben der teils in prekären finanziellen Verhältnissen lebenden Menschen etwas erträglicher zu machen.

Kandidat 7: Guido Fluri

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Veröffentlicht am 2016 M09 08