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Prix Courage 2016Kandidatin 5

«Der Gemeinderat drohte mir sogar mit einer Anzeige.» – Johanna Gündel. Bild: Christian Schnur

Johanna Gündel hat sich mutig gegen einen mächtigen und landesweit bekannten Politiker aufgelehnt. Soll die 25-Jährige aus Oberwil-Lieli den Prix Courage 2016 erhalten?

von Andrea Haefely

Johanna Gündel, 25, hat gewagt, was sich in Oberwil-Lieli seit Jahren kaum jemand traute: Sie ist gegen einen mächtigen Lokalpolitiker aufgestanden und hat ihre Meinung kundgetan. Und sie hat damit viel bewegt.

Die reichste Aargauer Gemeinde wollte sich mit 290'000 Franken von der Verpflichtung freikaufen, zehn Flüchtlinge aufzunehmen. Federführend war der Gemeindeammann: SVP-Nationalrat Andreas Glarner. «Als ich Glarner in einem deutschen Filmbeitrag sagen hörte: ‹Wir in Oberwil-Lieli möchten zur Zeit keine Asylbwerber aufnehmen›, konnte ich es kaum glauben», sagt Gündel. Sie, die in Oberwil-Lieli geboren und aufgewachsen ist, war keineswegs einverstanden. «Ich konnte unmöglich die einzige sein.»

Sie gründet die Interessengemeinschaft für ein solidarisches Oberwil-Lieli und fordert die Bevölkerung auf, an der nächsten Gemeindeversammlung teilzunehmen. Dort stellt die parteilose Studentin den Antrag, die Flüchtlinge aufzunehmen. Mit Erfolg, über 50 Prozent stimmen dafür. Ihre Aktion erregte international Aufsehen. In einer zweiten Abstimmung wurde der Entscheid zwar revidiert, doch gleichzeitig wurde der Gemeinderat dazu verknurrt, eine Lösung zu finden, zu der beide Teile des Dorfes stehen können. 

«Ich habe hässliche, beleidigende und sogar bedrohende Briefe bekommen. Und der Gemeinderat drohte mir mit eine Anzeige. Trotzdem bereue ich es keine Sekunde», sagt Johanna Gündel rückblickend. «Wir haben erreicht, dass Glarner mittlerweile zugestimmt hat, eine christliche syrische Familie aufzunehmen. Und wir haben ihm gezeigt, dass nicht er alleine Oberwil-Lieli ist.»

Kandidatin 5: Johanna Gündel

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Veröffentlicht am 2016 M09 08