Schweizer Fernsehen DRS1 war diesmal das schnellste Medium: «Diego Barberis ist der mutige Schweizer, der heute Abend im Lichthof der Universität Zürich den Prix Courage erhalten hat. Ein Preis, den der Beobachter Personen verleiht, die Mut gezeigt haben, die Zivilcourage an den Tag legten.»

Noch am selben Abend berichtete die «Tagesschau» von SF1 in der Spätausgabe von 22 Uhr über die Verleihung des diesjährigen Prix Courage: «Diego Barberis kamen die Tränen, als sein Name aufgerufen wurde. "Warum gerade ich?", hat er sich wohl gefragt. "Warum gerade ich?", hatte er sich auch gefragt, als er vor einem Jahr auf der Autobahn zwei Mädchen aus einem brennenden Auto rettete. "Woher nahm ich nur die Kraft?", fragt er sich heute. Dank erhielt der Tessiner Garagist von den Geretteten allerdings nie – dafür jetzt diese Anerkennung.»

Tags darauf ging auch der neue Privatsender TV3 auf das Ereignis ein – schliesslich hatte er schon eine Woche vor der Preisverleihung die fünf Nominierten porträtiert. TV3 vermittelte den Zuschauern das ganz spezielle Ambiente des Abends: «Einmal ein Held sein, davon träumen viele. Diego Barberis ist es. Für einmal mussten sich an der Preisverleihungsgala die vielen Promis mit der Statistenrolle begnügen. Sogar Albert Einstein stand am Rand. Im Mittelpunkt des dritten Prix Courage waren nicht die 400 geladenen Prominenten, sondern couragierte Bürger.»

Und spontan, wie ein Jahr zuvor beim Unfall, sagte Barberis nach der für ihn überraschenden Auszeichnung in die Fernsehkamera: «Ganz sicher werde ich jetzt meine Mutter anrufen und ihr sagen, dass ich gewonnen habe.»

«Grosse Ehre für einen couragierten Garagisten. Diego Barberis wurde mit dem Prix Courage der Zeitschrift Beobachter ausgezeichnet», berichtete zur gleichen Zeit Tele 24 in seinen «Swiss News».

Anzeige

Bei den Radiostationen hatte Radio 24 am Sonntagmorgen die Nase vorn. «Der Beobachter verlieh dem wagemutigen Tessiner Automechaniker den Prix Courage 1999 für seinen ausserordentlichen Mut und sein Handeln, während andere nur zuschauten», vernahmen die – zu früher Morgenstunde noch in den Federn liegenden – Hörerinnen und Hörer des Zürcher Lokalsenders. Am Mittag kam Barberis selbst zu Wort: «Der Preis macht mir grosse Freude. Ich denke, ich habe ihn erhalten, weil ich, verglichen mit den anderen Anwärtern, die gefährlichste Situation erlebt habe.»

«Kleine Helden» sind die Stars
Gleichentags berichtete die «Sonntags-Zeitung» über die Galafeier: «Der Prix Courage rückte nicht die mutigen Berühmtheiten ins Rampenlicht, sondern die kleinen Helden, die in ihrem Alltag Zivilcourage bewiesen und damit Prestige, Geld, Sicherheit oder gar ihr Leben aufs Spiel setzten.»

Anzeige

Am Montag vermeldeten die Tageszeitungen in allen Landesteilen die Wahl des «mutigsten Schweizers». «Der reaktionsschnelle Garagist rettete zwei Kinder aus einem brennenden Auto. Dafür ist er vom Beobachter mit dem Prix Courage 1999 ausgezeichnet worden», schrieb etwa die «Südostschweiz». Und «La Regione Ticino» würdigte den Einwohner von Vira Gambarogno TI mit Otto Stichs Worten: «Barberis ist mehr als ein einfacher Ritter der Strasse. Er hat mit seinem Eingreifen ohne Rücksicht auf eigene Gefährdung gehandelt, während andere Zeugen tatenlos herumstanden.»

Diego Barberis’ Reaktion auf die Auszeichnung beschreibt auch die «Berner Zeitung»: «Als alt Bundesrat Otto Stich Diego Barberis den Preis überreichte, konnten der Garagist und seine Frau ihre Freudentränen nicht mehr zurückhalten. Eigentlich sei er gar nicht mutig, und seine Mutter habe ihn immer Angsthase genannt, erzählte Diego Barberis.»

Anzeige

Die «Basler Zeitung» betont die Bedeutung, die die Verleihung des Prix Courage bereits hat: «1997 zum 70-jährigen Bestehen des Beobachters eingeführt, wurde die Preisverleihung sofort zu einem gesellschaftlichen Ereignis in Zürich mit Gästen aus der ganzen Schweiz.»

Wo eine Person gewinnt, sind die übrigen – notgedrungen – Verlierer. Allerdings ehrenvolle Verlierer, wie einzelne Zeitungen schreiben. Denn alle fünf Nominierten wären preiswürdig gewesen: neben Diego Barberis auch Reto Cantieni, Catherine Giauque, Werner Zumbrunn und der verstorbene Paul Spirig.

Das «St. Galler Tagblatt» geht denn auch auf die enttäuschten Erwartungen aus seiner Region ein: «Der Lichthof der Universität ist ins richtige Licht gerückt, gedeckt ist zum Galadiner, gekommen sind Politiker und Medienschaffende, Wirtschaftsvertreter und ehemalige Preisträgerinnen und -träger. Ebenfalls mit dabei sind 13 ehemalige Schülerinnen und Schüler des ermordeten Reallehrers Paul Spirig.»

Anzeige

Nach der Preisverleihung seien Paul Spirigs Schülerinnen und Schüler im ersten Moment enttäuscht gewesen, schreibt das «St. Galler Tagblatt». Doch «auf der Heimfahrt haben die Schüler ihre Enttäuschung überwunden. Der Abend sei trotzdem ein tolles Erlebnis gewesen. "Eigentlich ist es nebensächlich, ob der Preis an Paul Spirig gegangen ist – oder eben nicht. Viel wichtiger ist, dass wir nie vergessen, was er für uns getan hat und dass wir ihn im Herzen behalten", sagt ein Mädchen.»

Den Zweitplatzierten gehört auch die Sympathie der «Jüdischen Rundschau»: «Ehrenvoll auf der Strecke bleiben die Kandidatinnen und Kandidaten, die ihren Mut nachhaltig bewiesen hatten, indem sie ihrem Gewissen folgten, obwohl sie entlassen wurden.»

Für die «Jüdische Rundschau» war der moralische Sieger ein Verstorbener: «Ignatz Bubis wurde von Beobachter-Verleger Mathias Hagemann als mutiger Mensch gewürdigt. Courage fange dort an, wo die Notwendigkeit aufhöre, sagte Hagemann. Für Bubis sei es nicht notwendig gewesen, im Land seiner Verfolger zu wohnen, aber er habe mit viel Mut für die Verständigung auf allen Ebenen gekämpft.»

Anzeige