Was ist eine mutige Tat? Verzeihen Sie, wenn ich nicht in der Lage bin, Ihnen eine genaue Antwort darauf zu geben. Denn was eine mutige Tat sein soll, ist nicht berechenbar, nicht explizit. Es ist etwas Unklares. Aber genau vom Unklaren, glaube ich, handelt auch der Mut.

Zu einer mutigen Tat gehört, etwas zu tun, obwohl unklar ist, was dabei herauskommen wird. Etwas zu tun, obwohl man keine Sicherheiten hat über den Ausgang. Etwas zu tun aufgrund eines inneren Wunsches, der grösser ist als die Angst vor möglichem Verlust. Etwas zu tun nämlich im blossen Vertrauen.

Der Mut, für den jemand mit dem Prix Courage ausgezeichnet werden soll, hat noch eine weitere Dimension. Wir sprechen hier über den Mut für andere. Das heisst, man setzt etwas aufs Spiel, man vertraut, riskiert, manchmal gar sein eigenes Leben, und das alles, um einem anderen Menschen vielleicht zu helfen. Nur vielleicht.

Das Wort «vielleicht» passt nicht in unsere Zeit. Die Leute wollen Sicherheiten, sie wollen genau wissen, ob es regnet oder wann das Tram fährt. Sie wollen sich absichern gegen Krankheiten, das Alter und die Natur. Sie versichern sogar ihre Versicherungen. Mutig zu sein bedeutet, auf Versicherung zu pfeifen!

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Warum aber sollte man nun mutig sein? Weil das Leben trotz allem unklar und unberechenbar ist. Weil wir alle darauf angewiesen sind, dass es eine Verbindung, eine Sicherheit gibt, die uns im Notfall, ja, im Ausnahmefall auffängt. Und diese einzige Sicherheit sind die anderen Menschen. Die Schweiz ist auch nichts anderes als ein Raum voller Menschen, die einander brauchen.