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Prix CouragePfarrer Sieber lebte Zivilcourage

Im November 2017 wurde Pfarrer Ernst Sieber mit dem Prix-Courage-Lifetime-Award ausgezeichnet. Sein Vermächtnis soll uns weiterhin Hoffnung geben.

Wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet: Pfarrer Ernst Sieber mit seinem Prix Courage Lifetime Award.
von aktualisiert am 21. Mai 2018

Zivilcourage – das wusste der Zürcher Pfarrer Ernst Sieber – ist kein Modeartikel, den man sich mal überstreift, um besser dazustehen. Zivilcourage ist eine Haltung. Sie steht für Aufrichtigkeit, für Anstand, für das Hochhalten von Werten, für Respekt vor dem Leben und für Ehrfurcht vor der Schöpfung, die grösser ist als unsere eigene Bedeutung. Sichtbarstes Zeichen für diese Haltung ist der Glaube daran, selber etwas beisteuern zu können. Für eine bessere Welt. Und der Anspruch, Verantwortung nicht nur für sich selber zu übernehmen, sondern auch für die Gemeinschaft.

Pfarrer Ernst Sieber hat mit seinem Einsatz jeden Tag gezeigt, dass es nicht genügt, die Sehnsucht nach einer idealen Welt in kluge Worte zu fassen, sondern dass es stets die Taten sind, die lauter sprechen. Mut muss nicht leise sein. Pfarrer Ernst Sieber war nie ein leiser Mann. Er wusste schon früh, dass man sich und seinen couragierten Anliegen auch Gehör verschaffen muss, um etwas zu erreichen. Aber selbst seine unvergesslichen, manchmal theatralischen Auftritte im «Wort zum Sonntag» waren für ihn nur Mittel zum Zweck. Anlaufschritte für energischeres Wirken.

Mit Überzeugung für mehr Menschlichkeit

Mit seinem Enthusiasmus, mit seiner Überzeugung und stets dank und mit der tatkräftigen Unterstützung seiner Frau Sonja hat Pfarrer Ernst Sieber schweizweit Massstäbe gesetzt in der Hilfe für die Schwächsten. Er half Abhängigen in der offenen Drogenszene, gründete das Fachspital «Sune Egge», stellte den «Pfuusbus» für Obdachlose bereit, rief das «Sunedörfli» für Drogenaussteiger ins Leben und kämpfte nimmermüde und rastlos für mehr Menschlichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme.

Heute kümmern sich seine Sozialwerke mit mehr als 180 Fachleuten und 100 Freiwilligen um jene, die vom Tempo unserer Gesellschaft überrollt oder vom Leben benachteiligt wurden. Nun sind wir alle darauf konditioniert, das Aussergewöhnliche, das Einmalige, das Herausragende besonders zu beachten und zu würdigen. Und wenn einer so lange auf der guten Seite kämpft, ermüdet der Blick der Journalisten und der Öffentlichkeit. Pfarrer Sieber und seine Sozialwerke sind uns als Begriffe längst so vertraut geworden, dass wir ihr Angebot fast als selbstverständlich erachten.

Grosses Vermächtnis

Doch ohne Pfarrer Ernst Sieber gäbe es dieses selbstverständliche Angebot für die Menschen am Rande der Gesellschaft nicht. Er selber würde jetzt wohl nur nach oben zeigen, dorthin, wo er sich die Führung geholt hat, die ihn täglich motivierte. Er war der wandelnde Beweis dafür, dass es eine Kraft gibt, die in uns allen wohnt und die uns als innere Stimme dient, wenn wir einen Kompass brauchen und bereit sind hinzuhören. Aber es braucht einen ausserordentlichen Menschen, der diese Kraft zu seiner Richtschnur macht, und der den Glauben an das, was in uns steckt, nie aufgibt. Pfarrer Ernst Sieber gab uns mit seiner Vorurteilslosigkeit, mit seiner Nächstenliebe ein leuchtendes Beispiel für das, was noch immer möglich ist in einer Welt, die fast nur noch materiell geprägt ist.

Dieses Vermächtnis hat uns Pfarrer Sieber hinterlassen. Es gibt uns Hoffnung weit über seinen Tod hinaus. Dafür steht sein Name, dafür werden auch sein Team und alle, die ihn gekannt und geschätzt haben, in Zukunft weiter arbeiten. Dafür hat er den Prix-Courage-Lifetime-Award verdient Prix Courage «Lifetime Award» Ernst Sieber – der gute Hirte von Zürich und unseren Dank für ein grosses Leben im Dienst der Menschlichkeit.
 

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Andres Büchi, Chefredaktor

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