Dieser Schneeball hat sich tief in ihr Gedächtnis gebrannt. Abgefeuert hatte das Geschoss im Winter 1994 ein Mädchen, grösser und stärker als sie selbst: «Ich hätte diesen Schneeball erwidern müssen», sagt Gülsha Adilji, Moderatorin beim Jugendsender Joiz, heute.

Und Samuel Müller ärgert sich immer noch darüber, dass er unachtsame Pick­nicker nicht zur Ordnung rief. Auch die übrigen Mitglieder der Prix-Courage-Jury, die unter dem Vorsitz der Aargauer SP-Ständerätin Pascale Bruderer tagt, wären gerne schon mutiger gewesen (siehe unten).

Erstmalig verleiht der Beobachter dieses Jahr zusätzlich zum traditionellen Prix Courage (dotiert mit 15'000 Franken) den Prix Courage Next Generation (dotiert mit 3000 Franken). Adilji und Müller werden dafür sorgen, dass die mutigen Taten der jungen Generation in der Jury gebührend gewürdigt werden.

Die neuen Jury-Mitglieder - Next Generation

Samuel Müller, Jungunternehmer

Meine mutigste Tat: nach Abschluss des Maschinen­ingenieurstudiums das Metier zu wechseln und eine Firma im Umweltbereich zu gründen.
Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: Nach einem Picknick liessen Leute ihren ganzen Abfall liegen. Ich sass in der Nähe und ärgerte mich, sagte aber nichts.
Der mutigste Mensch der Geschichte: Nelson Mandela setzte sich sein Leben lang ­erfolgreich für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung ein. Seine Taten haben ihn berühmt und zum weltweiten Vorbild gemacht.
Ich bin in der ­Jury, um mutige Menschen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Samuel Müller

Quelle: Thinkstock Kollektion
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Gülsha Adilji, Moderatorin

Meine mutigste Tat: Ich sage meine ehrliche Meinung, stehe für meine Rechte und die der anderen ein und empöre mich über Dinge, die mir widerstreben.
Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: Ich hätte den Schneeball im Winter 1994 erwidern sollen, auch wenn die Mädchen zu zweit und viel älter und stärker waren.
Der mutigste Mensch in der Geschichte: nicht nur einer, sondern sehr viele Menschen, die felsenfest und konsequent für ihre Ideen einstehen und manchmal den Platz auf dem Scheiter­haufen einnehmen mussten. Das waren unglaublich viele, ich kann keine Rangliste erstellen oder den Mutigsten benennen.
Ich bin in der Jury, weil man nicht nur Awards für das schönste Kleid, das tollste Lied oder den besten Film verleihen sollte, sondern auch für mutige Menschen.

Gülsha Adilji

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Die bewährten Jury-Mitglieder - Traditioneller Prix Courage

Pascale Bruderer, SP-Ständerätin und Jury­präsidentin

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Meine mutigste Tat: Als achtjährige Schülerin wehrte ich mich als Einzige, als über Gehörlose wegen ihrer Sprache gelacht wurde – danach rannte ich, den Tränen nah, davon.
Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: Mutiger wäre es gewesen, nicht wegzu­rennen. Aber immerhin wurde von da an nie mehr in der Klasse über Behinderungen gelacht.
Der mutigste Mensch der Geschichte: Persönlichkeiten wie Ma­hatma Gandhi, die gewaltlosen Widerstand übten.
Ich bin in der Jury, weil Zivilcourage es verdient, an die Öffentlichkeit getragen zu werden – das macht den Prix Courage zu einer der wichtigsten Auszeichnungen.

Pascale Bruderer

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Anita Chaaban, Initiantin der Vewahrungsinitiative

Meine mutigste Tat: mein Einsatz für die Verwahrungsinitiative.
Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: nachdem bei mir Krebs diagnostiziert worden war.
Der mutigste Mensch der Geschichte: Nelson Mandela.
Ich bin in der Jury, weil ich es wichtig finde, dass mutige Taten belohnt werden. Damit wird ein Zeichen gesetzt.

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Anita Chaaban

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Marcus Levy, Pilot

Meine mutigste Tat: die Helikopterrettung in Schlans. Drei Menschen­leben wurden trotz sehr schwierigen Verhältnissen gerettet.
Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: An dem Tag, als mein Vater verstarb, wusste ich nicht, was ich tun soll. Also sagte ich ihm: «Gehe ruhig deinen Weg. Es ist okay.»
Der mutigste Mensch der Geschichte: Nelson Mandela. ­Er hat so vieles erlebt und wurde nicht böse dabei. Am WEF in Davos hatte ich die ­Gelegenheit, ihm die Hand zu schütteln. Es jagte mir Schauer durch den ganzen Körper.
Ich bin in der Jury, weil ich mutige Menschen bewundere, die nur auf das Herz hören und nicht auf die Brieftasche.

Marcus Levy

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Ruth Ramstein, brachte den Fall Köbi F. ins Rollen

Meine mutigste Tat: Ich versuche zu reagieren, wo ich Ungutes erkenne. Ich betrachte mich aber nicht als mutig, sondern als mitverantwortlich für eine gut funktionierende Gesellschaft.
Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: beim Aufstieg zum Grossen Mythen. Ich bin nicht schwindelfrei und habe auf halbem Weg kehrtgemacht.
Der mutigste Mensch der Geschichte: Den gibt es nicht, sondern nur viele mutige Menschen, die versuchten und versuchen, Krieg und Gewalt zu verhindern.
Ich bin ­in der Jury, um Menschen, die in besonderen Situationen uneigennützig reagieren, meine Wertschätzung entgegenzubringen.

Ruth Ramstein

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Monika Schmid, Theologin und Gemeindeleiterin

Meine mutigste Tat: immer noch katholisch zu sein und der Kraft des Evangeliums noch immer mehr zuzutrauen als der Kirche.
Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: täglich. Wenn es gilt, Unangenehmes zu erledigen, mitzuteilen.
Der mutigste Mensch der Geschichte: Frauen, die neue Wege suchten und etwas bewegten, zum Beispiel die Sozialarbeiterin Madeleine Delbrêl.
Ich bin in der Jury, weil mutige Menschen auf allen Ebenen Respekt verdienen und gesehen werden sollen.

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Monika Schmid

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Jetzt sind Sie gefragt

Die Schweiz braucht mutige Menschen, die unerschrocken für eine Idee kämpfen. Seit 1997 verleiht der Beobachter den Prix Courage, den Preis für ausserordent­liche Taten – neu auch für besonders mutige Personen bis zu 16 Jahren. Kennen Sie Leute, die sich in einer schwierigen Lage beherzt für andere ­eingesetzt haben? Senden Sie uns Ihre Vorschläge:
Redaktion Beobachter, Kandidaten Prix Courage, Postfach, 8021 Zürich
kandidaten@beobachter.ch
Einsendeschluss: 16. Juni 2014

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