Schon kleinste Mengen radioaktiver Strahlung sind für den Menschen schädlich Krebs oder Veränderungen des Erbguts können die Spätfolgen sein. Deshalb sollte man sich möglichst wenig radioaktiven Strahlen aussetzen.

Strahlenschutzbestimmungen, die vom Bund streng überwacht werden, regulieren den Umgang mit Radioaktivität. Dennoch bekommt jede Person, die in der Schweiz lebt, jährlich eine Strahlendosis von 4 Millisievert (mSv) ab. Dieser Durchschnittswert blieb in den letzten Jahren stabil. «Mit 4 mSv befindet sich die Schweiz im europäischen Mittelfeld», sagt Hansruedi Völkle, Sektionschef Überwachung der Radioaktivität im Bundesamt für Gesundheit. Wie gefährlich 4 mSv für die Gesundheit sind, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Immerhin: Bleibt die jährliche Belastung unter diesem Wert, ist die schädliche Wirkung etwa im Vergleich zum Rauchen äusserst gering.

Radioaktive Strahlen stammen in der Schweiz zu drei Vierteln (3 mSv) aus der Natur, so wie Sonnenstrahlen oder Schallwellen. Strahlung kommt zum Beispiel aus dem Boden oder aus dem All. Die Weltraumstrahlen werden durch die Erdatmosphäre abgeschwächt. Deshalb sind sie in den Bergen, wo man dem Himmel näher ist, stärker als im Mittelland: Die St. Moritzer müssen mit 0,75 mSv kosmischer Strahlung pro Jahr leben, die Zürcher «nur» mit 0,4 mSv. Und wer viel fliegt, ist einer höhere Strahlendosis ausgesetzt als jemand, der immer auf dem Boden bleibt 25 Flugstunden ergeben eine Belastung von rund 0,2 mSv. Eine ähnlich grosse Strahlenmenge dringt auch bei einer Röntgenaufnahme der Lunge in den Körper ein.

Der Hauptteil der Bodenstrahlung wird durch Radon verursacht. Dieses radioaktive Gas dringt durch undichte Kellerböden in die Häuser ein und reichert sich in geschlossenen Räumen an. Wenn Radon mit der Luft eingeatmet wird, lagert es sich in der Lunge ab und bestrahlt das Gewebe. Das kann Lungenkrebs auslösen. Jährlich gehen in der Schweiz fünf bis zehn Prozent aller Lungenkrebserkrankungen und damit mindestens 140 Todesfälle auf das Konto von Radon.

Um dieses Risiko möglichst zu reduzieren, gelten in der Schweiz Radon-Richtwerte. Werden diese überschritten, muss der Besitzer sein Haus sanieren: Risse und Fugen abdichten, Naturböden im Keller durch Betonböden ersetzen, bei sehr hohen Radonwerten Ventilatoren oder Absaugsysteme einsetzen.

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Zu viele unnötige Röntgenbilder

Ein Viertel der jährlichen Strahlendosis ist «menschengemacht» und stammt vor allem von medizinischen Untersuchungen. Knapp zehn Millionen Röntgenbilder pro Jahr werden bei uns gemacht; 1970 waren es eine Million weniger. Immerhin: Dank besseren Geräten hat die durchschnittliche Strahlenbelastung nicht zugenommen.

Dennoch gilt: Je weniger Bestrahlung, desto besser. «In der Schweiz werden zu viele Röntgenbilder gemacht», kritisiert Margrit Kessler, Präsidentin der Schweizerischen Patientenorganisation. Sie empfiehlt deshalb allen Patienten, einen Röntgenpass zu führen. Darin trägt die Ärztin jede einzelne Untersuchung ein.

Der Pass allein schützt jedoch noch nicht vor unnötigen Röntgenbildern. «Ich denke, dass in manchen Spitälern Röntgenaufnahmen vor allem darum gemacht werden, um die teuren Apparate zu amortisieren», sagt Margrit Kessler. «Dagegen sollte man sich wehren, indem man darauf besteht, dass zuerst die alten Aufnahmen angefordert werden.»

Noch besser bringt man bestehende Bilder beim Spitaleintritt gleich selber mit: Röntgenbilder gehören den Patienten. Lassen Sie sich deshalb Ihre Aufnahmen vom Arzt oder Röntgeninstitut aushändigen.