23_99_cavalli.jpgBeobachter: Franco Cavalli, haben Sie als Jugendlicher geraucht?

Franco Cavalli: Ich habe im Militärdienst angefangen, während des Medizinstudiums aber bald wieder aufgehört. Das Militär war damals für viele der Einstieg ins Rauchen; heute fangen die Jugendlichen viel früher an.

Beobachter: Jeder vierte 15-Jährige raucht regelmässig. Die Prävention versagt offenbar.

Cavalli: Ja, das ist leider so und zwar weltweit. Sogar in den USA, wo sehr viel gegen das Rauchen unternommen wird, ist dieser Trend feststellbar.

Beobachter: Aus welchen Gründen?

Cavalli: Ich glaube erstens, dass die Aufmachung der Werbung eine grosse Rolle spielt. In den Kinos werden Stars als Raucher gezeigt, das hat einen grossen Einfluss auf die Jugendlichen. Zweitens unternehmen die Zigarettenfabrikanten sehr viel, um den Jungen das Rauchen beizubringen. Bei Sport- und Jugendanlässen sind sie auffallend präsent.

Beobachter: Ihre Tabakkommission will Ende November Vorschläge bekannt geben. Welche Strategie sollte der Bundesrat verfolgen?

Cavalli: Entscheidend ist für uns ein Verbot von Werbekampagnen an allen Anlässen, wo vor allem Jugendliche anwesend sind. Ein zweiter Schritt wäre ein allgemeines Werbeverbot. Zudem müsste viel mehr Geld in eine intelligente Prävention gesteckt werden.

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Beobachter: Was meinen Sie mit «intelligenter Prävention»?

Cavalli: Die meisten Kampagnen sind viel zu altmodisch für die jungen Leute. Es wird gesagt, dass Rauchen krank macht und dass man früher stirbt. Das interessiert die Jugendlichen heute kaum.

Beobachter: In welche Richtung geht der Trend?

Cavalli: Positive Botschaften müssen die Warnungen und Drohungen ersetzen. «Wer nicht raucht, profitiert hier und jetzt», sollte es heissen. Oder: «Das Sexualleben und das Körpergefühl sind besser und man gehört erst noch zur Mehrheit der Gleichaltrigen.»

Beobachter: Und welche Wirkung hat die vom BAG angestrebte Erhöhung des Zigarettenpreises auf fünf Cavalli: Franken pro Paket?

Davon erwarte ich einiges. Diese Massnahme reduziert den Zigarettenkonsum der Jugendlichen, weil sie in der Regel wenig Geld haben.

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Beobachter: Mit höheren Tabaksteuern und einem Werbeverbot werden Sie politisch wohl auf Granit beissen.

Cavalli: Ich weiss, dass es schwierig wird, unmittelbar Erfolge zu erzielen. Die Tabaklobby ist in der Schweiz sehr stark vertreten bis hinauf in den Bundesrat.

Beobachter: Sie meinen den einstigen Zigarrenfabrikanten Kaspar Villiger?

Cavalli: Ja, aber wahrscheinlich nicht nur. Griffige Massnahmen haben im Bundesrat nur eine Chance, wenn der Druck aus der Öffentlichkeit grösser wird. Dass immer mehr Jugendliche rauchen, wird noch viel zu wenig zur Kenntnis genommen. Unsere Aufgabe in der Tabakkommission muss es sein, die Alarmglocke sehr laut läuten zu lassen.

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