Die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega) hat Auflagen erhalten vom Zürcher Steueramt. Wenn sie diese nicht erfüllt, droht ihr der Entzug der Steuerbefreiung.

Blenden wir zurück: Ende März 2000 berichtete der Beobachter über fragwürdige Tätigkeiten der Rega. Die gemeinnützige Stiftung machte umstrittene teure Einkäufe und beherrscht ein regelrechtes Firmengeflecht. Sie hat mehrere Tochterfirmen, die kommerziell aktiv sind. So befördert sie beispielsweise Ölscheichs und gut betuchte Russen, die sich in einer teuren Privatklinik in Amerika behandeln lassen. Welche Aufgaben die verschiedenen Firmen sonst noch haben, wie viel sie erwirtschaften und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen, verriet die Rega ihren Gönnerinnen und Gönnern bisher nie. Ebenso undurchsichtig sind für Aussenstehende die Geldflüsse.

Durch die Recherchen des Beobachters aufgeschreckt, leitete die Eidgenössische Steuerverwaltung eine Untersuchung ein. Es sollte abgeklärt werden, ob die Rega als eine gemeinnützige Organisation zu Recht steuerbefreit ist. Von den Steuern darf laut Gesetz nämlich nur befreit werden, wer strenge Kriterien erfüllt.

Die Eidgenössische Steuerverwaltung beauftragte den Kanton Zürich dort hat die Rega ihren Hauptsitz , die Rettungsflieger genauer unter die Lupe zu nehmen. Kurz vor Weihnachten nun schlossen die Zürcher Steuerkommissäre ihre Prüfung ab. Fazit: Die Rega bleibt auch in Zukunft steuerbefreit, allerdings nur unter strengen Bedingungen:

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  • Sie darf den Flugbetrieb im Privatsektor nicht weiter ausbauen, sondern muss sich klar auf ihre gemeinnützige Tätigkeit in der Schweiz und für Schweizer im Ausland konzentrieren. Ob etwa das Geschäft mit den Ölscheichs im bisherigen Stil weitergeführt werden kann, darf bezweifelt werden.

  • Die Rega darf ihren Flottenbestand nicht weiter vergrössern. Der Traum von noch grösseren und teuren Jets müssen die Luftretter also begraben.

  • Die privaten Tochtergesellschaften müssen die Rega regelmässig mit Beiträgen alimentieren. Denn die privaten Unternehmen sollen der Stiftung dienen und nicht umgekehrt.

  • Die Rega muss dem kantonalen Steueramt zur Kontrolle jedes Jahr den Jahresbericht und die Jahresrechnung abliefern.
  • Mehr Transparenz

    Mit diesen kantonalen Auflagen ist es aber nicht getan. Auch die Eidgenössische Steuerverwaltung will der Rettungsflugwacht in den nächsten Monaten genauer auf die Finger schauen. «Das Wichtigste ist Transparenz», heisst es bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung. Schliesslich gehe es um ein Unternehmen, das von Spendengeldern lebe. Also müssen die Spender jederzeit den Überblick haben, was mit ihrem Geld geschieht.

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    Doch auf der Internet-Homepage der Rega sind bis heute nur schöne Bilder der Flugzeug- und Helikopterflotten und Meldungen über erfolgte Rettungen («Rega evakuiert Schafe von Alp») zu bestaunen. Eine detaillierte Jahresrechnung und das Organigramm des Firmengeflechts findet man nirgends. Für Gönnerinnen und Gönner, die genauer wissen wollen, was mit ihrem Geld geschieht, ist das entschieden zu wenig.

    Namentlich zitieren lassen will sich bei den Steuerverwaltungen in Zürich und Bern niemand. Doch die Worte sind deutlich: «Ausgestanden ist die Sache für die Rega noch nicht.»

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