Rita Sanz* hatte der Hotelplan-Mitarbeiterin ausdrücklich gesagt, sie verfüge bereits über eine Jahresreiseversicherung. Dennoch bekam sie mit der Buchungsbestätigung für die Costa-Rica-Reise ein Formular der Europäischen Reiseversicherung. Darauf ist zu lesen, ein Abschluss sei «obligatorisch», sofern man nicht bereits einen gleichwertigen Schutz habe. Sanz wurde im Schreiben der Versicherung aufgefordert, die ausgefüllte Verzichtserklärung innert sieben Tagen an Hotelplan zurückzusenden. Sonst werde sie automatisch gegen Annullierungs- und Reiseabbruchskosten versichert. Der Preis dieser Versicherungsleistungen fehlte.

«Diese Praxis ist stossend»

«Eine Reiseversicherung ist keineswegs obligatorisch. Es ist überaus stos­send, dass man Kunden vorgaukelt, sie müssten eine abschliessen», sagt Doris Huber, Expertin im Beobachter-Beratungszentrum. Die Europäische Reiseversicherung widerspricht. Es sei das Ziel von Versicherung und Hotelplan, dass die Kunden reiseversichert ihren Urlaub antreten, erklärt Patrik Grobe, Mitglied der Geschäftsleitung: «Damit wird Komplikationen vorgebeugt, und allfällige Kostenrisiken werden von der Versicherung übernommen.» Allerdings sei es der Firma wichtig, nicht übermäs­sigen Druck auf die Kunden auszuüben. «Wir werden den Wortlaut ‹obligatorisch› anpassen und die Verzichtserklärung überarbeiten», verspricht Grobe.

Hotelplan-Mediensprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir erklärt indes, es habe sich im Fall Sanz lediglich um ein altes Formular gehandelt, das in manchen Filialen zum Teil fälschlicherweise noch verwendet worden sei. «Wir haben veranlasst, es umgehend überall zu löschen.» Der Ombudsmann der Schweizer Reisebranche, Franco Muff, hält fest: «Wenn es sich um ein altes, ungültiges Formular handelt, das an die Kunden gesandt wurde, erachte ich den Fall als geregelt. Andernfalls müsste man diese Praxis stoppen.»

*Name geändert