Im Mai 2001 verurteilte das Polizeigericht von La Chaux-de-Fonds NE einen Familienvater zu sieben Tagen Gefängnis bedingt.

Der Grund: Der Sohn war der Schule oft und während langer Perioden fern geblieben.

Der Fall löste in der Romandie heftige Diskussionen aus. Soll man Eltern für mangelnde Erziehung bestrafen? Und was macht man mit renitenten Schülern?

Angesichts der Erziehungsmisere und der Gewalt an den Schulen werden die Rufe nach den Rohrstockmethoden aus Grossvaters Zeiten wieder lauter. Grosses Aufsehen erregte letzten November ein Vorstoss aus dem Kanton St. Gallen. Das neue Gesetz ermöglicht es, untragbare Schüler ins Strafinternat zu stecken und Eltern, die sich der Zusammenarbeit mit der Schule permanent verweigern, mit Bussen bis 1000 Franken zu bestrafen. Bei schweren Fällen von Vernachlässigung kann der Schulrat sogar Strafanzeige gegen die Eltern erstatten.

Störenfriede werden isoliert

Auch die Aargauer Lehrer machten von sich reden. Mit über 900 Unterschriften reichten sie eine Petition für die Verschärfung des Jugendstrafrechts ein. Insbesondere wollen sie die Strafmündigkeit für Jugendliche von 16 auf 14 Jahre heruntersetzen.

In manchen Kantonen existieren bereits Regelungen, um wiederholte Störenfriede gegen Ende der obligatorischen Schulzeit frühzeitig aus der Schule zu entlassen.

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Damit sollen nicht zuletzt die Eltern verstärkt in die Pflicht genommen werden.

Fachleute halten wenig von solch drastischen Radikallösungen. Rein repressive Massnahmen wie etwa das Strafinternat für «böse Buben» würden kontraproduktiv wirken.

Auch Bussen für Eltern sind Fachleuten ein Gräuel. «Es ist naiv zu glauben, dass dies die Eltern zum Erziehen animiert», sagt der Jugendpsychologe Allan Guggenbühl. «Man unterschätzt das Aggressionspotenzial von Eltern.» Wohin das führen könne, zeigten Beispiele in Amerika. Dort müssen sich Lehrpersonen auf dem Schulweg nicht mehr nur vor gewalttätigen Schülern schützen, sondern auch aufpassen, dass sie nicht von gebüssten Vätern geschlagen werden.