Bild: Thinkstock Kollektion

Living Planet Report«Wir riskieren ein Burn-out der Erde»

Der neuste Living Planet Report des WWF zeigt: Der Naturverlust ist dramatischer als bisher angenommen. Die erfassten Tierbestände sind nur noch halb so gross wie vor 40 Jahren. Und wir verbrauchen inzwischen die Ressourcen von drei Planeten.

von WWF Schweizaktualisiert am September 30, 2014

Die untersuchten Tierpopulationen sind in den letzten 40 Jahren um durchschnittlich 52 Prozent geschrumpft. Besonders dramatisch ist die Situation in Lateinamerika. Hier wurde zwischen 1970 und 2010 ein Verlust von 83 Prozent gemessen. Im neuen Living Planet Report des WWF zum Zustand der Natur und dem Ressourcenverbrauch weltweit wurden mehr als 10'000 Wildtierpopulationen von 3000 Wirbeltierarten in der ganzen Welt erfasst.

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Verheerende finanzielle Folgen

Die geschätzten Kosten aller Umweltschäden in der Welt betragen mehr als 6000 Milliarden Euro, das sind mehr als elf Prozent des globalen Bruttoeinkommens. Weltweit die stärksten Verluste gab es bei Süsswasserarten wie Fischen oder Amphibien, die über die letzten 40 Jahre einen Rückgang von 76 Prozent verzeichnen mussten. Grund dafür sind hauptsächlich die Übernutzung der Bestände, der Verlust des Lebensraums und der Klimawandel.

Deutlich zu spüren bekommen haben dies zum Beispiel einige Arten von Fröschen in den Regenwäldern Puerto Ricos: Innerhalb weniger Jahre sind drei Arten ausgestorben und insgesamt acht Populationen sind akut gefährdet.

Schweiz: 40 Prozent der Tierarten bedroht

Auch in der Schweiz stehen zur Zeit rund 40 Prozent der bekannten Tierarten auf der Roten Liste. Traurige Spitzenreiter sind hierzulande Amphibien und Reptilien. In ausgewiesenen Schutzgebieten, so die gute Nachricht, verschwinden nur halb so viele Tiere wie in nicht geschützten Gebieten. In Nepal ist die Zahl der Tiger durch intensive Schutzmassnahmen sogar um zwei Drittel gestiegen.

Wir leben auf zu grossem Fuss

Der Artenschutz scheint angesichts der Armut in vielen Teilen der Erde ein Luxusproblem zu sein. Dabei ist es gerade umgekehrt, wie Damian Oettli, Leiter Konsum & Wirtschaft des WWF Schweiz, betont: «Der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um Hunger und Armut zu bekämpfen.»

Doch speziell die reichen Länder tragen überproportional zur globalen Umweltzerstörung bei. Wenn beispielsweise alle so leben würden wie wir hier in der Schweiz, wären die Ressourcen von 3 Planeten nötig. Im letzten Report von 2012 kam die Schweiz noch auf einen Footprint von 2,8 Planeten. Im internationalen Vergleich rückt sie jetzt um drei Positionen auf Platz 18 vor – und gehört somit zu den 20 grössten Pro-Kopf-Verbrauchern der Welt (siehe Liste).

Die unrühmliche Rangliste wird von Kuwait angeführt, das sechsmal mehr Ressourcen verbraucht als ihm zustünde. Und: Obwohl viele Entwicklungsländer einen sehr tiefen Ressourcenverbrauch haben, liegt der weltweite Footprint schon bei 1,5 Planeten. Zwar gibt es bei der Entkoppelung von Ressourcenverbrauch und Prosperität erste Fortschritte, doch sind diese noch ungenügend. «Wir riskieren ein Burn-Out unseres Planeten. Wir alle, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sind gefordert, ein Gleichgewicht zwischen Natur und Konsum zu finden», betont Damian Oettli vom WWF Schweiz.

Ausgewählte Footprints von Nationen (in Planeten)

Kuwait   6
Qatar   4,9
Vereinigte Arabische Emirate   4,5
Dänemark   4,3
Belgien   4,3
Trinidad und Tobago   4,3
Singapur   4,1
USA   4
...

Schweiz

   3

Deutschland   2,6
Japan   2,3
Brasilien   1,7
China   1,3
Albanien    1
Kambodscha   0,6
Eritrea   0,3


Wie viele Planeten verbrauchen Sie? Machen Sie den Test: www.footprint.ch
Global Footprint Network: www.footprintnetwork.org/de

«Living Planet Report»

Alle zwei Jahre publiziert der WWF zusammen mit dem Global Footprint Network und der Zoological Society of London den «Living Planet Report» zum Zustand der Erde. Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter www.wwf.ch; die deutsche Kurzfassung des «Living Planet Report» 2014 können Sie hier herunterladen (PDF).

Living Planet Report 2014