Bild: Thinkstock Kollektion

Weltwassertag 2011Drohen Kriege um Wasser?

Fehlender Zugang zu sauberem Trinkwasser kann soziale Spannungen verschärfen und Länder instabil machen. Die Regierungen sollten deshalb das Thema Wasserversorgung gemeinsam lösen, fordern Experten anlässlich des heutigen UN-Weltwassertags.

aktualisiert am March 22, 2011

Der heutige Weltwassertag 2011 hat das Thema «Wasser für urbane Räume»: «Verstädterung, Bevölkerungswachstum und der Durst von Industrie, Landwirtschaft und Haushalten drücken weiter auf die Wasserreserven. Vielerorts sind die Brunnen erschöpft und Wasser ist zu einem Sicherheitsthema geworden», warnt Zafar Adeel, Leiter von UN Water.

Wassermangel bedroht die wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften und ist potenzieller Zündstoff für Konflikte, sagte 2007 UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Von seinem Amtsvorgänger Boutros Boutros-Ghali stammt der Ausspruch, dass die Kriege der Zukunft um Wasser statt um Politik geführt werden. «Kriege zwischen Staaten um Wasser gibt es gegenwärtig nicht. Auf anderen Ebenen - lokal, regional wie auch global - kommt es jedoch täglich zu Wasserkonflikten», so Adeel. Spannungen gebe es dort, wo es akut an Trinkwasser fehlt. Das ist besonders in Ländern des Nahen Ostens und in Nordafrika der Fall.

Wie sehr die arabische Welt potenzieller Hotspot für Wasserkonflikte ist, zeigt die Länderliste des Wassermangels: 1955 stammten drei der sieben in ihr aufscheinenden Länder aus jener Region - Bahrain, Jordanien und Kuwait. 1990 waren es acht von insgesamt 13 weiteren Ländern, darunter Algerien, Israel und Palästina, Katar, Saudi-Arabien, Somalia, Tunesien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jemen. Den Prognosen zufolge wird es 2025 weltweit 30 wasserarme Länder geben, wobei unter anderem auch noch Ägypten, Äthiopien, Iran, Libyen, Marokko, Oman und Syrien zur Liste hinzukommen werden.

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«Wasserdiplomatie» nötig

Für die Wasserexpertin Patricia Wouters von der schottischen Dundee University gibt es drei Schlüsselpunkte, die zur Überwindung des Problems angestrebt werden müssen: «Dazu gehört die Verfügbarkeit, also die kontrollierte Versorgung mit sauberem und sicherem Wasser. Zweitens muss der Zugang gewährleistet sein, was eine Frage des Rechts der Bevölkerung auf Wasser darstellt. Wo das nicht möglich ist, braucht es transparente und auf dem Gleichheitsprinzip aufbauende Mechanismen, mit denen man Nutzungskonflikte beilegt.»

Um das zu verwirklichen, sei eine neue Generation von Politikern nötig, die das Thema Wasser oben auf ihre Agenda setze. Ein konkreter Schritt zu dieser «Wasserdiplomatie» wird das Treffen von 37 ehemaligen Regierungschefs beim «Interaction Council» Ende Mai in Quebec sein.

«Ohne einen veränderten Blick der Menschheit auf das Wasser laufen politische Bemühungen jedoch ins Leere», ergänzt Adeel. Wasser sei untrennbar auch mit Sektoren wie Energie, Produktion und Ernährungssicherheit verbunden, geht doch etwa ein erheblicher Teil des Wasserverbrauchs auf die Lebensmittelproduktion zurück. Der UN-Water-Direktor macht sich stark für die stärkere Bewusstmachung des Wasser-Fussabdrucks: «Wenn wir Nahrung importieren, so importieren wir damit auch grosse Mengen von Wasser. Wie viel Wasser das jeweils ist, müssen die Konsumenten erfahren.» (pte)

Von «Wassermangel» spricht man, wenn Einwohner eines Landes über weniger als 1000 Kubikmeter Süsswasser pro Jahr verfügen. Während dieser Wert 1990 in der Schweiz bei 6520 Kubikmetern lag, waren es in Saudi-Arabien nur 160. Hier trifft bereits der Fachbegriff «Wassernotstand» zu - der in seiner Definition für Mengen unter 500 Kubikmeter Wasserverfügbarkeit pro Person und Jahr steht, während «Wasserknappheit» weniger als 1700 Kubikmeter bedeutet. (pte)