07_00_kueche.jpgDie Architektur des Lokals ist aussergewöhnlich, seine Lage ungewohnt. Im Süden Londons liegt es dort, wo früher Lagerhäuser standen und Schiffe auf der Themse bis in die Stadtmitte fuhren. Dort, wo heute noch Ebbe und Flut von der Nordsee her den Fluss gewaltig an- und abschwellen lassen.

River Cafe nennt sich das Lokal Fluss-Cafe. Der erste Teil des Namens trifft zu, der zweite nicht. Das River Cafe ist ein modernes Restaurant, das mit der nostalgischen Gemütlichkeit österreichischer Kaffeehäuser oder schweizerischer Tea-Rooms nichts gemein hat. Seine Architektur ist grosszügig und klar.

Das kommt nicht von ungefähr. Konzipiert hat das River Cafe jener Architekt, von dem das Centre Pompidou in Paris stammt: der Brite Richard Rogers. Sein Atelier liegt gleich neben dem River Cafe; wenn die Gäste im Sommer auf der Terrasse über der Themse dinieren, können sie einen Blick auf Rogers Arbeitsreich werfen; die Wände seines Büros sind aus Glas.

In Italien gelebt und gelernt

Auch das River Cafe präsentiert sich zur Themse hin ganz in Glas. An der Rückwand wurde eine riesige Bar eingerichtet. Dort, wo sie auf den Küchenbereich trifft, lodert ein gewaltiges Feuer im Kamin. Hier wird grilliert und gebraten, wie es in vielen italienischen Restaurants der gehobenen Klasse üblich ist.

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Denn eines offenbart sich dem Gast rasch: Im zeitgenössischen Ambiente des River Cafe wird eine durch und durch italienische Küche geboten. So wollen es die beiden Besitzerinnen Rose Gray und Ruth Rogers, die gleichzeitig auch für die Küche verantwortlich zeichnen. Ruth Rogers ist die Ehefrau von Architekt Richard Rogers.

Das Ehepaar Roger lebte lange Zeit in Italien und lernte dort die einheimische Lebensart und Küche schätzen. Zurück an den grauen Ufern der Themse, ging Ruth Rogers das Kochen alla Italia nicht mehr aus dem Kopf: Wenn es doch nur möglich wäre, ein Restaurant zu führen mit jener leichten Küche mit vollkommenen Gerichten, wie sie nur aus frischen Produkten entstehen können.

Hier kochen die Chefinnen

Zusammen mit ihrer Freundin Rose begann Ruth Rogers am Kochherd zu experimentieren und Richard Rogers konzipierte das passende Lokal. 1987 öffnete das River Cafe seine Tore. Hunderte, wenn nicht gar Tausende Betriebe liessen sich später vom River Cafe inspirieren.

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City-Restaurant nennt sich dieser Gastronomietyp. Seine Markenzeichen: helle, grosszügige Räume, durchgestylte Möblierung und eine Küche, die eine der grossen ethnischen Küchen dieser Welt zelebriert. Die einen City-Restaurants bieten eine Zen-inspirierte Küche an, andere glänzen mit thailändischen Kochkünsten, oder sie verwöhnen die Gäste mit provenzalischen Gerichten. Sämtliche Lokale haben sich einer gesunden, appetitlich zubereiteten Küche verschrieben und alle verfolgen ein Ziel: Sie wollen gleich viel Erfolg haben wie das River Cafe! Denn seit dieses seine Tore im Süden Londons geöffnet hat, ist es Abend für Abend ausverkauft. Es ist ein Gesamtkunstwerk, das nach wie vor seinesgleichen sucht.

Bei meinem letzten Besuch führte mich Ruth Rogers stolz durch ihren Betrieb. Sie zeigte mir den an der Themse gelegenen Kräutergarten, den riesigen Weinkeller, in dem ausschliesslich italienische Weine lagern, und die Küche mit den vielen jungen Leuten, die den beiden Chefköchinnen zur Hand gehen. Ruth Rogers und Rose Gray packen auch heute noch selber tatkräftig in der Küche zu und spornen ihre Mannschaft so zu Höchstleistungen an.

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Der Schokoladekuchen ist eines der Paradestücke des River Cafes. Er gehört zu den allerbesten Schokoladekuchen, die ich kenne. Er ist, so sagt Ruth Rogers nicht ohne Stolz, «Schokolade gewordene Sünde». Einfach köstlich!

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