Böser Wolf! Im Wallis hat er zu viele Schafe gerissen, nun dürfen ihn die Bergler abschiessen. Das ungewollte Verdienst der Wölfe und Luchse: Schafe und Schafhalter samt ihren Problemen wurden plötzlich wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.

«Der Trend geht in Richtung Schafhaltung», ist vom Bauernverband zu vernehmen. Tatsächlich erreichte die Anzahl blökender Vierbeiner 1997 den Rekordstand von 440000 und hat sich nun bei rund 420000 eingependelt. Damit decken die inländischen Schafe etwa 43 Prozent der Nachfrage an Lammfleisch ab.

Eine Steigerung ist somit noch möglich, im Gegensatz zur Rind-, Kalb- und Schweinefleischproduktion. Doch die Konsumenten haben mit dem Lamm ihre liebe Mühe. Gemäss Rita Lüchinger vom Schweizerischen Schafzuchtverband nimmt die Liebe zum Lamm in der Pfanne von Westen nach Osten ab. Es «böckelet», mäkeln vor allem die Deutschschweizer.

Preiszerfall und Billigkonkurrenz

Und noch etwas finden die Konsumenten: Das importierte neuseeländische und australische Lamm schmecke besser. Eine Studie des Schafzuchtverbands will nun das Gegenteil beweisen. Fragt sich nur, ob die Konsumentinnen deswegen mehr Lammfleisch kaufen.

Und wenn sie kaufen, dann nur vom Besten. Nierstück, Filet, Gigot und Koteletten finden Gnade vor den Schweizer Geschmacksnerven; Voressen und andere weniger edle Stücke verzehren vorab Gastarbeiter etwa zu Kebab verarbeitet.

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Ein weiteres Problem ist der Preiszerfall. 12 bis 13 Franken ist ein Kilo Schlachtgewicht heute wert, vor zehn Jahren waren es noch 15 bis 16 Franken. Dazu kommt die Billigkonkurrenz, vor allem aus Australien und Neuseeland. Die importierten Lämmer kosten lediglich fünf bis sechs Franken pro Kilo Schlachtgewicht.

Natürlich geht der Billigtransport auf Kosten der Umwelt, doch das kümmert den Grossteil der Konsumentinnen nicht. Und den meisten dürfte auch egal sein, dass die Wolle der Schweizer Schafe entsorgt wird weil sich die Weiterverarbeitung nicht lohnt (Beobachter 21/99).

Gleichzeitig wird die Schafhaltung in der Schweiz noch teurer. Eine Expertengruppe ist zum Schluss gekommen, dass es bei der Schafsömmerung auf den Alpen ohne Hirten und Hunde nicht geht. Fehlen diese, so streben die Tiere ohne Verzug den Kreten zu, denn die zarten Kräuter an höchster Stelle sind ihre Leibspeise. Problem: Die Schafe bleiben auch dort oben, wenn die Nahrung nicht mehr ausreicht. Als Folge davon erodieren die Böden.

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Natürlich lassen sich die Schafe auch mit Zäunen von unerwünschten Weideplätzen fern halten, doch entbindet das den Besitzer nicht vor der täglichen Uberwachung der Herde. Hansueli Huber vom Schweizer Tierschutz: «Es geht einfach nicht mehr an, dass der Halter die Herde frei lässt und einmal pro Woche Nachschau hält. Ist ein Tier verletzt, verreckt es jämmerlich, bis der Hirt vorbeikommt.»

360 Franken Subvention pro Tier

Die Zahl der Tiere, die an Stürzen und Krankheit verenden, wird jährlich auf rund 10000 geschätzt. Zum Vergleich: Wölfe und Luchse reissen in der gleichen Zeit etwa 300 Schafe.

Fragt sich bloss, ob die Halter kleiner Herden den zusätzlichen Aufwand leisten können? Wären sie auf sich selbst gestellt, sicher nicht. Doch die Beiträge des Bundes lassen sich sehen. Im Berggebiet kassiert der Halter pro Schaf und Jahr rund 360 Franken an Subventionen. Und falls einmal ein Wolf oder ein Luchs ein Tier reisst, so gibt es als Entschädigung ebenfalls Geld auch im Wallis.

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