1. Home
  2. Arbeit
  3. Selbständigkeit & KMU
  4. Die fiesen Fangmethoden der «Registerhaie»

AbzockereiDie fiesen Fangmethoden der «Registerhaie»

Bild: Thinkstock Kollektion

Mit dubiosen Verträgen und viel Kleingedrucktem haben es Inserate-Verkäufer insbesondere auf Einzelfirmen und kleine Betriebe abgesehen.

von Martin Müller

Das ist Armin Pfund noch nie passiert. Er müsse nur per Fax bestätigen, dass er einen bestehenden Inseratevertrag nicht weiterführen wolle, machte ihm ein Telefonverkäufer weis. Arglos unterschrieb der Inhaber eines kleinen Rebbau- und Landmaschinenhandels in Hallau SH das gefaxte Formular und kreuzte das gross gedruckte Feld «läuft automatisch aus» an. «Ich dachte, damit sei alles erledigt», sagt Pfund.

Denkste! Erst als eine Rechnung des «Regionalen Wirtschaftsdienstes» ins Haus flatterte, las Pfund das Kleingedruckte: Er hatte einen Auftrag über knapp 7000 Franken für vier Inserate in einer «Bürger-Info-Broschüre» erteilt, die in einer Miniauflage von 500 Exemplaren irgendwann irgendwie irgendwo verteilt werden soll.

Preis im Kleingedruckten versteckt
Pfund ist einem sogenannten Registerhai auf den Leim gegangen: einer Firma, die Kleinunternehmern sündhaft teure Einträge in irgendwelche nutzlosen Branchenregister verkauft. Immer wieder fallen Gewerbetreibende darauf herein, weil die Formulare einen amtlichen Handelsregistereintrag vortäuschen und der Preis im Kleingedruckten versteckt ist.

Exakt nach diesem Muster läuft es auch bei der neusten Registerhai-Welle: dem «Online-Branchenbuch», für das die Webclick GmbH im zugerischen Baar tausendfach einen «Korrekturabzug» verschickt, auf dem die Gewerbetreibenden vermeintlich bloss ihre Telefonnummer kontrollieren sollen. Besonders absurd: Das «Online-Branchenbuch» existiert nicht einmal; die Website funktioniert nicht - trotzdem kostet der «Eintrag» für zwei Jahre 4087 Franken.

Selbst das Selbstregulierungsorgan der Werbebranche findet dies stossend. Wenn der Preis für einen Registereintrag nur im Kleingedruckten stehe, sei die Werbung dafür unlauter, beanstandet die Lauterkeitskommission regelmässig in solchen Fällen. Das kümmert die Webclick GmbH nicht - der Geschäftsführer antwortete nicht auf die Fragen des Beobachters.

«Herausgeschmissenes Geld»
Der Ratschlag an die Gewerbler ist indes klar: Die «Offerten» gehören in den Papierkorb. Wer ein solches Formular bereits unterschrieben hat, soll per Einschreibebrief den Vertrag als nichtig zurückweisen, weil man getäuscht worden sei.

Auch Landmaschinenhändler Armin Pfund hat sich gewehrt. Nach mehreren Verhandlungsrunden mit dem «Regionalen Wirtschaftsdienst» erreichte er immerhin, nur für eine statt wie unterschrieben für vier Ausgaben bezahlen zu müssen. Allerdings sind auch diese 1721 Franken für seinen Einmannbetrieb «herausgeschmissenes Geld».

Veröffentlicht am 2007 M11 20