Beobachter TVNützliche Unterhaltung

Jürg Keim, Berater bei Beobachter TV Bild: Gerry Nitsch

Am 20. Februar 2013 startet Beobachter TV mit der ersten Staffel. Das Thema: die Gründung einer Firma. ­Beobachter-Berater Jürg Keim unterstützt dabei Leute, die sich selbständig machen.

von Susanne Loacker

Beobachter: Was darf das Publikum erwarten, das sich Beobachter TV anschaut?
Jürg Keim: Eine Reportage, bei der wir ­Ratsuchenden helfen, ihre Probleme so zu ­lösen, dass sie das weiterbringt. Die Sendung begleitet diese Personen und zeigt auf, wie es ihnen gelingt, ihre Schwierigkeiten zu überwinden.

Beobachter: In der ersten Staffel geht es um das Thema Selbständigkeit, also um Leute mit einer Idee, die eine Firma gründen wollen. Haben da alle Kandidaten die gleichen Sorgen?
Keim: Es gibt selbstverständlich Gemeinsam­keiten: Oft macht man sich zu wenig ­Gedanken, bevor man den Schritt in die Selbständigkeit wagt. Einer importiert ­hippe Werbebrillen aus China, ein anderer beschliesst, Fische zu veredeln. Man hat eine Idee und setzt sie in die Tat um. Dabei kommt es immer wieder vor, dass man ­etwas Wesentliches vergisst, zum Beispiel das Ver­marktungskonzept oder die Finanz­planung. Das kann früher oder später über­fordern.

Beobachter: Bisher waren Sie juristischer Berater am Beobachter-Telefon. Nun beraten Sie plötzlich Menschen, denen Sie ins Gesicht blicken. Was ist anders?
Keim: Es ist natürlich eine völlig neue Situation, sie ist viel unmittelbarer. Am Telefon hat man eine gewisse Distanz, die ist nun aufgehoben. Ein Schicksal wird von Angesicht zu Angesicht berührender, direkter. Das ­gefällt mir sehr. Die Gründer setzen mit ­ihrer Firma oft alles auf eine Karte – da spüre ich eine grosse Verantwortung, wenn ich sie berate.

Beobachter: Am Telefon haben Sie Einzelne beraten, am Fernsehen hören viele andere mit. Behalten Sie das im Hinterkopf oder blenden Sie das aus?
Keim: Ich berate für den Beobachter seit acht ­Jahren auch auf Radio SRF 3 und habe mir in dieser Zeit angewöhnt, auszublenden, wem ich «nebenbei» behilflich bin. Beim Fernsehen kommt zwar noch die Kamera dazu, aber ich versuche, mich möglichst natürlich zu verhalten, und gehe voll auf meine Gesprächspartner ein. Mein Ziel ist, dass es keinen Beratungs­monolog gibt, sondern dass wir ein echtes Gespräch führen und gemeinsam Lösungen erarbeiten.

Beobachter: Kennen Sie die Probleme dieser Menschen schon von Ihrer Arbeit am Beratungstelefon?
Keim: Teilweise schon, ja, es gibt aber auch neue Aspekte. Anders als beim telefonischen Beratungsgespräch, das in der Regel ein paar Minuten dauert, kann ich mir bei der Fernsehsendung mehr Zeit nehmen für die Fallanalyse und mich in die Geschichte einarbeiten. Denn ich bin bereits im Voraus über die Problemstellungen informiert. Das macht die Sache auch für mich besonders interessant.

Beobachter: Für die Kandidatinnen und Kandidaten ist Beobachter TV sicher hilfreich. Aber was bietet die Sendung den Zuschauern?
Keim: Ein spannendes Format, das es so noch nicht gibt. Es unterscheidet sich klar vom «Kassensturz» und ist auch anders als die trashigen Dokusoaps aus Deutschland. Dennoch ist es eine Unterhaltungssendung, aber eine mit nützlichem Inhalt. Die Themen, die wir bis jetzt ausgesucht haben – Selbständigkeit, später auch Probleme beim Wohnen –, interessieren sehr viele. Egal, wem ich davon erzähle, ­alle reagieren mit Interesse. Jede und jeder hat schon ­etwas erlebt, was wir aufgreifen – einen ­beruflichen Traum, Krach mit dem Nachbarn, Ärger mit Handwerkern. Unsere Themen sind nah bei den Leuten.

Veröffentlicht am 2013 M02 05