Das Problem:

«Kürzlich haben wir an einem Fest einen Bekannten getroffen, mit dem meine Freundin vor einem Jahr eine kurze Sexaffäre hatte. Das hat mich sehr verunsichert. Vielleicht liegts daran, weil ich gewisse Potenzprobleme habe: Ich bin nicht in der Lage, länger als 30 Minuten «meinen Mann zu stehen». Meine Freundin liebt es, wenn ich ein wenig den «Dominus» spiele. Was kann ich tun, dass es sexuell wieder besser klappt? Ich habe Angst, meine Partnerin zu verlieren.»

Kurt G.

Koni Rohner, Psychologe FSP:

Vertrauen Sie Ihrem Penis und nicht Ihrem Verstand! Das männliche Glied ist sehr eigensinnig und absolut ehrlich. Mit anderen Worten: Sie haben keine Potenzprobleme. Ihr Penis hat einfach keine Lust, längere Zeit erigiert zu sein. Die Erektion ist ein Zeichen von Erregung. Bei einem langen Liebesspiel bleibt diese nicht immer konstant, sondern wird in Wellen stärker und schwächt sich wieder ab. Das ist normal. Ein Phallus ist kein seelenloses Werkzeug wie ein Hammer, der dem Willen gehorcht; er ist ein lebendiger Teil des Körpers, der bei den einen etwas sensibler, bei den andern etwas weniger empfindlich auf die Situation reagiert. Diese wird durch die Stimmung zwischen den Liebespartnern ebenso beeinflusst wie durch Handlungen und Liebestechniken.

Verlangen Sie von Ihrem männlichsten Teil nicht länger, dass er unerschütterlich eine halbe Stunde lang «seinen Mann steht»; betrachten Sie ihn als empfindliches «Instrument», das Ihnen präzis zeigt, welche erotischen Situationen für Sie stimmen und aufregend sind und welche nicht. Vielleicht ist das «Dominus-Spiel» halt doch nicht ganz nach seinem Geschmack. Möglicherweise wollen Sie sich da zu etwas zwingen, was gar nicht Ihrem Wesen entspricht.

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Natürlich stecken Sie jetzt in einem Teufelskreis. Weil Ihr Penis nicht so will wie Ihr Verstand, haben Sie Ihre Selbstsicherheit verloren. Deshalb kann sich Ihre Sexualität auch nicht frei entfalten. Die Folge: Sie können die Lust mit Ihrer Freundin nicht voll geniessen.

Was Sie und Ihre Partnerin heiss macht, probieren Sie am besten in ausgedehnten Liebesspielen ohne Leistungsdruck aus. Sollten Sie da in eine Blockade geraten, können Ihnen Psychotherapie, Paartherapie oder Sexualtherapie helfen. Meiner Ansicht nach existiert der unglückliche Begriff Impotenz (Unfähigkeit, nicht können) ohnehin nur deshalb, weil wir eine falsche Vorstellung von Männersexualität haben. Eine Erektion ist keine Leistung wie Hochsprung oder Kugelstossen, sondern Zeichen einer erotischen Ergriffenheit. Wenn diese nicht geschieht, ist das zwar schade, aber sicher kein Versagen!

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