Lange Jahre herrschte im Wintersportgeschäft wenig Aufbruchstimmung. Doch mit der Konkurrenz durch Snowboards kam die Skiindustrie gehörig in Zugzwang. Das Resultat: Eine Vielzahl von neuen Sportgeräten und Technologien kam auf den Markt.

Da gleichzeitig auch immer mehr Skiproduzenten versuchen, sich eine Scheibe vom Snöbergeschäft abzuschneiden, geriet in den letzten Jahren auch die Snowboardindustrie unter Druck und reagierte mit einer eigentlichen Innovationswelle. Wintersportler stehen heute staunend vor einem gigantischen Angebot mit Carving-, Renn-, Touren-, Telemarkskiern sowie Snowboards für die verschiedensten Einsatzbereiche. Dazu kommen neue Sportgeräte wie Snowblades, Snowtrekker oder moderne Schneeschuhe.

In der letzten Saison waren bereits rund 70 Prozent aller verkauften Skier Carver. In der kommenden Saison werden bereits 90 bis 95 Prozent der Bretter im Sporthandel Carving-Skier sein. Der normale Rennski wird nur noch als Nischenprodukt angeboten. Doch Carving-Ski ist nicht gleich Carving-Ski. Der Konsument muss sich zwischen Funcarver, Freecarver, Racecarver und Progressivcarver entscheiden.

Die Ex-Skirennfahrerin Marie-Theres Nadig bezeichnet die Modelle, die auch für Normalverbraucher sinnvoll sind, nicht als eigentliche Neuerungen. Dennoch lobt die mehrfache Olympiasiegerin und heutige Trainerin der B-Nationalmannschaft der Damen die heute kürzeren und taillierteren Skier: «Diese Verfeinerungen machen das Skifahren attraktiver. Man fährt ja auch nicht einen alten VW, wenn man einen neuen BMW haben kann.»

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Carven ist leicht
Auch bei den Snowboards gibt es keine revolutionären Neukonzepte. Man unterscheidet immer noch zwischen Freestyle-, Freeride-, Freecarve- und Raceboards. Doch je nach Material, Länge und Bauweise haben die Bretter der über 170 Hersteller völlig unterschiedliche Fahreigenschaften. Hinzu kommen immer ausgefallenere Materialien: Carbon, Fiberglas-Laminat, Kevlar sowie sagenumwobene Verbundstoffe «aus der Militärtechnologie», die Gewicht sparen und stabilisieren sollen.

Der Trend zum Freerideboard, das sich sowohl auf der Piste als auch in der Halfpipe und im Tiefschnee fahren lässt, hält an. Ebenfalls immer beliebter werden sogenannte «Soft Step In»-Bindungen. Intersport geht davon aus, dass der Marktanteil dieser Bindungen in der Schweiz von 20 auf etwa 30 Prozent steigen wird.

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Die Neuerungen im Ski- und Snowboardbereich sind nicht einfach verkaufsfördernde Design-Gags, auch wenn die speziellen Eigenschaften zahlreicher High-Tech-Konstruktionen für die breite Masse der Snowboarder und Skifahrer kaum spürbar sind.

Der Carving-Ski garantiert ungeübten Fahrern ebenso vergrösserten Fahrspass wie totalen Pistencracks. Bremsen und Steuern wird für unsichere Fahrer erheblich leichter. Schwünge lassen sich ohne grosse Verrenkungen durch einfaches Einkippen einleiten.

Auch im Snowboardbereich profitieren Anfänger wie Profis von den neuen Entwicklungen. Sportliche Fahrer schätzen eine progressive Taillierung, weil sie das Beschleunigen aus der Kurve erleichtert. Anfänger freuen sich darüber, dass sie auch auf Eis nicht ausrutschen und einfacher Kurven fahren können.

Dass der «direktionale Flex» (das Brett ist vorn weicher als hinten) für Freestyler Absprung und Landung vereinfacht, kann dem Anfänger egal sein. Er freut sich darüber, dass er Kurven einfacher einleiten kann und am Ende der Kurve nicht wegrutscht.

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Snowblades schliesslich - eine Art Mischung aus Big-Foot, Carving-Ski und Inline-Skates - ermöglichen auch weniger Geübten kurzes dynamisches Schwingen über Buckelpisten. Versierteren Skifahrern erleichtern sie das Rückwärtsfahren, das Pirouettendrehen und akrobatische Einlagen in der Halfpipe.

Doch sowohl beim Ski als auch beim Snowboard bleibt das Prinzip das gleiche. «Das Rad ist erfunden», sagt Chris Kuster von Nitro Snowboards Switzerland. «Jetzt muss jeder Hersteller die Details perfektionieren und für jeden Fahrer das genau richtige Brett anbieten.»

Raus auf die Piste
Bei der Vielfalt von Skiern und Snowboards, Boots und Bindungen verlieren selbst Verkäufer schnell mal den Uberblick. Und mancher Wintersportler ärgert sich, wenn er sich Material hat aufschwatzen lassen, das sich für ihn als untauglich erweist.

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Denn ob die Geräte wirklich auch halten, was der Hersteller verspricht, zeigt sich erst beim Einsatz im Schnee. Ob einem das Fahrverhalten eines speziellen Skis oder Snowboards passt, lässt sich nur «erfahren».

Das ist allerdings möglich: Fast jedes Geschäft, das etwas auf sich hält, organisiert im Herbst Testweekends. Dabei können die Kunden zu vergünstigten Tarifen ein Wochenende lang in einem Gletscherskigebiet verschiedene Snowboards, Skier und Schuhe ausprobieren.

Bei einem Testweekend zahlen Kunden in der Regel nur gut die Hälfte der ortsüblichen Normaltarife für Bergbahnen und die Ski- oder Snowboardmiete. Aber auch für Unterkunft und Anfahrt werden oft günstige Pauschalen angeboten.

Die Angebote werden rege genutzt. Nando von Allmen, Pressesprecher des Tourismusbüros von Saas Fee, beobachtet einen regelrechten Andrang von testwilligen Skifahrern und Snowboardern. Genaue Zahlen kann von Allmen zwar nicht nennen: «Aber zwischen Ende August und Ende November kommen jedes Wochenende Tausende von Gästen wegen der Testweekends.»

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