«Der Beobachter fühlt sich in besonderem Masse berufen, sich für dieses humanitäre Anliegen einzusetzen», schrieb die Chefredaktion in einem persönlichen Brief an die 246 Damen und Herren National- und Ständeräte. Bereits 1944 habe die Redaktion an die «grosse Dankesschuld» erinnert, in der sich unser vom Krieg verschontes Land befunden habe. Aus den Erfahrungen der Stiftung SOS Beobachter erfahre die Zeitschrift zudem aus erster Hand, wie Menschen durch die Maschen des Sozialnetzes fallen. «Wir möchten Sie deshalb bitten», schrieben die beiden Chefredaktoren Ivo Bachmann und Ueli Pfunder an die Volksvertreterinnen und -vertreter, «sich mit Ihren Möglichkeiten für die rasche Verwirklichung der neugeplanten Stiftung für Solidarität einzusetzen.»

«Sehr einverstanden», teilten sogleich einige Nationalrätinnen und Nationalräte dem Beobachter mit. Maria Roth-Bernasconi und Liliane Maury Pasquier (beide SP, Genf) sehen im neuen Sozialwerk das Zeichen für eine Öffnung der Schweiz gegenüber den Problemen im In- und Ausland. Und der Berner SP-Nationalrat Paul Günter findet es an der Zeit, «dass wir den Goldschatz aus dem Keller holen und jetzt auf die Bank bringen», damit er Zinsen trage.


Leute ins Gespräch bringen

CVP-Vertreterin Ruth Grossenbacher (SO) sieht die Chance, einen Dialog zwischen der Aktivdienstgeneration und den Nachgeborenen zu initiieren. Dazu hat ihr Parteikollege Norbert Hochreutener (BE) bereits einen Vorschlag: die Schaffung eines Mahnmals für Opfer von Menschenrechtsverletzungen, Völkermord und Holocaust. Wirtschaftsanwalt Peter Baumberger (CVP, Zürich) ist überzeugt, dass «gerade wir dem christlich-abendländischen Gedankengut verpflichtete Schweizer nicht nur für Vergangenes, sondern auch für die Opfer künftiger Menschenrechtsverletzungen Verantwortung übernehmen sollten».

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Das findet auch die grüne Nationalrätin Cecile Bühlmann (LU), Vizepräsidentin der eidgenössischen Rassismus-Kommission. Sie stimmt den Beobachter-Vorschlägen zur Ausgestaltung der Stiftung mit einer Ergänzung zu: «Wir brauchen auch Geld für die Aufklärung und Erforschung der Ursachen von Rassismus, Menschenrechtsverletzungen und Völkermord.»

Agnes Weber (SP, Aargau) und François Loeb (FDP, Bern) versprechen, in ihren Fraktionen am Thema zu bleiben. Beiden schwebt ein «Jubiläumsgeschenk» zum 150jährigen Bestehen des Bundesstaates 1998 vor. François Loeb zitiert gegenüber Einwänden an der Stiftungsidee einen Satz aus «Der kleine Prinz» von Antoine de Saint-Exupery: «Man sieht nur mit dem Herzen gut.» Das sieht der Beobachter genauso.