Mit 2000, 3000 Franken fing es an, für einen VW Käfer, Mitte der siebziger Jahre. Das Auto konnten sich Max und Silvia Hunziker (Namen geändert) nur mit einem Bankkredit leisten – wie so vieles anderes auch. 30 Jahre später belaufen sich die Schulden auf 200'000 Franken. «Wir wollten es schön haben», sagt Max Hunziker. Und seine Frau ergänzt: «Irgendwie ist es immer gegangen. Wir haben jeden Monat die nötigsten Rechnungen bezahlt und für den Rest halt einen neuen Kredit aufgenommen.»

Das funktioniert jahrelang, bis Silvia Hunziker an multipler Sklerose erkrankt und nicht mehr arbeiten kann. Die IV-Rente deckt nicht alle Kosten, die Situation verschärft sich, Betreibungen stehen an. Ein Inserat im Blick verspricht: «Wir übernehmen ­alles für Sie – Sie bezahlen nur noch eine kleine Rate.» Ein Jahr lang zahlen Hunzikers monatlich über 500 Franken, doch die Schulden wachsen weiter. «Als wir uns beschweren wollten, sagten sie uns ganz offen, die Firma schaue zuerst für sich selber», erinnern sich Hunzikers. Als Silvia Hunziker 2005 nach einem Spitalaufenthalt keinen Hausarzt mehr angeben kann, weil die Rechnungen unbezahlt blieben, schaltet sich die Wohngemeinde ein.

Endlich erhalten Hunzikers kompetente Beratung: Ein Berater der Fachstelle Schuldensanierung Berner Oberland verhandelt mit Gläubigern, regelt die Nachlassstundung, erstellt einen Abzahlungsplan und – 30 Jahre nach dem ersten Kleinkredit – erstmals ein Budget. Obwohl damit eine Zeit voller Entsagungen beginnt, sind die beiden enorm erleichtert: «Endlich sehen wir Licht am Ende des Tunnels. Wären wir früher an eine professionelle Schuldenberatung geraten, wäre uns viel erspart geblieben.»

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Die Stiftung SOS Beobachter bezahlt einen Teil der zusätzlichen Gesundheitskosten wie Spitex und Fahrdienste, die sonst die Sanierung gefährden würden. Nach drei Jahren ist diese fast abgeschlossen. Die Einstellung der Hunzikers hat sich grundsätzlich verändert: «Wir kaufen nur noch Dinge, für die wir das Geld zuvor auf die Seite gelegt haben.»