«Ich stamme aus dem Punjab, einer Gegend im Norden Indiens mit vielen Problemen. 1984 kam ich als Flüchtling in die Schweiz, da war ich 22. Irgendetwas an der Schweiz hat mein Herz vom ersten Augenblick an berührt. Ich glaube, mir fiel damals schon auf, dass hier fast alle Leute ehrlich sind. Ich suchte Arbeit in einer Bar und lernte Deutsch. Schon als Junge hatte ich den Plan, einmal ein eigenes Geschäft zu haben. Also war es mein Ziel, hier ein Restaurant aufzubauen. Weil das nicht von heute auf morgen geht, arbeitete ich nebenher als Elektromonteur.

Mein erstes Lokal war ein mexikanisches, dann folgte das erste indische, es hiess ‹Bollywood›. Danach machte ich einen riesigen Fehler: Ich hatte gleichzeitig zwei Restaurants, eines in Laufen, eines in Reinach. Ich fuhr unsere beiden Buben zur Schule, pendelte zwischen den beiden Lokalen, verrannte mich total und hatte keinen Überblick mehr über die Finanzen. Bald lief alles aus dem Ruder. Auf das Sozialamt zu gehen war für mich schrecklich. Ich hatte 30 Jahre gearbeitet, für meine Familie geschaut, und plötzlich brauchte ich fremde Hilfe. Vor der Tür des Gemeindehauses schaute ich immer über die Schulter, ob mich jemand sieht, so sehr schämte ich mich.

Zum Glück hatte ich eine Sozialberaterin, die mir glaubte, dass ich um jeden Preis wieder arbeiten wollte – und zwar als Wirt, das liegt mir. Sie organisierte mir Hilfe des Netzwerks Adlatus, das sind Leute, die selber nicht mehr im Tagesgeschäft sind, aber ihre Erfahrungen an andere weitergeben. Zusammen sahen wir uns ein Lokal an der Jungstrasse in Basel an. Mein Coach meinte, die Lage sei gut, die Uni ist in der Nähe, Novartis auch. Er half mir, einen Businessplan zu erstellen. Und es funktioniert: Mein kleiner Familienbetrieb, das ‹Welcome to India›, läuft inzwischen gut. Es ist ein ewiges Rechnen, aber bald sollte es schwarze Zahlen geben. Dass SOS Beobachter einen Teil des Honorars von Adlatus zahlte, hat einiges dazu beigetragen.»