«Meine erste Zugfahrt vergesse ich nie: mit der Bergbahn von Lauterbrunnen nach Mürren. Mein Vater arbeitete damals bei dieser Bahn. Da war ich 12 oder 13, und seither ist Eisenbahnfahren mein Leben. Als ich hörte, dass mir SOS Beobachter hilft, das GA zu finanzieren, war ich vor Freude aus dem Häuschen. Das Reisen ist für mich mehr als Vergnügen. Ich bin auf den öffentlichen Verkehr angewiesen, damit ich Familie und Freunde im Bernbiet besuchen kann. Dank dem GA bleibe ich unter den Leuten.

Seit bald drei Jahren lebe ich in Safien. Die Institution ‹Landwirtschaft und Behinderte› hat mich hierher vermittelt. Mein erster Gedanke, als ich ankam: Die Fahrt dauert ja ewig! Der zweite dann: Die Natur hier ist himmlisch. Die Familie, bei der ich wohne, führt einen Hof. Ich füttere meist das Vieh. Aber eigentlich habe ich zwei andere Lieblingsbeschäf­tigungen: das Heuen und das Plattmachen von Maulwurfs­hügeln. Bei beiden Arbeiten sieht man am Abend schön, was man gearbeitet hat. Einzig für meine Leidenschaft, das Zugfahren, ist es in Safien kompliziert. Mit dem Postauto dauert es 40 Minuten, bis ich am nächsten Bahnhof bin. Das macht gewisse Ausflüge an einem Sonntag unmöglich. Für den Kreisviadukt in Brusio, den ich fürs Leben gern sehen würde, ist ein Tag zu kurz.

Ich weiss viel über Züge. Manche Lok erkenne ich am Klang, ohne sie zu sehen. Auf Strecken, die ich nicht oft gefahren bin, gucke ich gern zum Fenster hinaus. Auf Strecken, wo ich jeden Baum kenne, sehe ich mir auf meinem DVD-Gerät Filme an – am liebsten Actionfilme. Musik hören würde ich im Zug auch gern, Heavy Metal oder Klassik. Aber leider habe ich ein uraltes Handy, und für ein neues reicht das Geld nicht. Nächsten Frühling geht meine Zeit in Safien zu Ende, der Hof stellt den Betrieb ein. Mein grösster Wunsch für die Zeit danach wäre es, im Umfeld der Eisenbahn arbeiten zu können: Ich möchte eine Lehre als Gleisbauer in Angriff nehmen.»

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