Ganz blöd sei er gegen eine Tür gerannt, erklärte Beat Hug* den Kollegen, als er eines Morgens mit blauem Auge aufkreuzte. Als er eine Woche später mit Schnittwunden im Gesicht in die Bude kam, gab er einem Sturz in einen Dornbusch die Schuld. Fast täglich musste er sich etwas Neues ausdenken, denn er sah immer schlechter aus. Dass er von seiner Freundin misshandelt wurde, traute er keinem zu sagen.

Als ihm keine Ausreden mehr einfielen, blieb Hug unentschuldigt der Arbeit fern und wurde fristlos entlassen. Erst als die Freundin sein ganzes Mobiliar und all seine Habseligkeiten zertrümmerte, suchte und fand er Hilfe bei einer Opferberatungsstelle. Die Freundin ist inzwischen Exfreundin, die Wunden verheilen.

Doch die Opferhilfe kann keine neuen Möbel bezahlen, und die Versicherungen sind nicht zuständig. Selbst eine Schadenersatzklage würde nichts bringen, die Exfreundin ist mittellos. Deshalb bezahlte die Stiftung SOS Beobachter das Nötigste: Bett, Geschirr, ein paar Kleider. Den Rest wird sich Beat Hug anschaffen können, wenn er sich wieder fit fühlt und einen Job findet.

*Name geändert