«Der Lammgigot-Fall!» So lautet in fetten Lettern der interne Vermerk, den das Unterstützungsgesuch für Remo Gross (Name geändert) in der Fallverwaltung von SOS Beobachter trägt. Gross, ein Mittfünfziger aus dem Thurgau, gesundheitlich stark beeinträchtigt und Bezüger von Sozialhilfe, erhielt von der Stiftung Lebensmittel­gutscheine. Dies ermöglicht ihm etwas, was sonst undenkbar wäre: ins Migros-­Wägeli legen, was das Herz begehrt, ohne auf den knapp kalkulierten Einkaufszettel zu schauen. Ein Lammgigot kostet etwa 35 Franken. Der Preis, um den Magen zu füllen – und viel mehr als das.

«Wer jahrelang untendurch und jeden Rappen spalten muss, für den ist es wie Weihnachten, wenn er einmal aus dem Vollen schöpfen kann», sagt Walter Noser, Leiter von SOS Beobachter. Ein Stück Lebensgefühl dank einem Mocken Fleisch: «Unsere Stiftung ist nicht nur dazu da, um Armut zu beheben, sondern auch, um Armut erträglicher zu machen.»

Genau das war die Absicht von Sozialarbeiterin Rosemary Capt, als sie bei SOS Beobachter das ungewöhnliche Gesuch für Reto Gross stellte. Im Rahmen des Externen Psychiatrischen Dienstes in Sirnach TG trifft sie sich regelmässig mit ihm zur Sozial­beratung. Dabei, mehr aus Zufall, entlockte sie ihrem Klienten einen lange gehegten Wunsch: einmal wieder ein Festessen, nur für sich – am liebsten eben ein schön gebratenes Gigot. Jeden Tag würde er sich ­eine Scheibe abschneiden, habe Gross ­geschwärmt. Für Rosemary Capt war klar, was das für den zurückgezogen lebenden Mann bedeuten würde: «Jeden Tag eine halbe Stunde Wohlbefinden.»

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Liebe Leserinnen und Leser,

Wenn nach dem Grosseinkauf an der Kasse der Totalbetrag aufleuchtet, schluckt man schon einmal leer: So viel? Doch das ist schnell vergessen, schliesslich gibts dafür ein feines Essen.

Für Menschen, mit denen es das Leben weniger gut gemeint hat, ist eine Einkaufstour ohne den ständigen Blick auf die Preisschilder hingegen ein rarer Glücksmoment, der sie ihre Sorgen eine Zeitlang vergessen lässt. Das ist für die Betroffenen – im eigentlichen wie im übertragenen Wortsinn – eine unbezahlbare Erfahrung. Möglich wird sie durch Ihre Spenden für SOS Beobachter. Sie geben uns damit die Mittel, persönliche Hilfe zu leisten. Wir fragen uns bei jedem Unterstützungsgesuch: Was tut diesem Menschen gerade jetzt gut?

Ganz herzlichen Dank für Ihr Vertrauen in unsere Arbeit!

Toni Wirz,
Präsident Stiftung SOS Beobachter

«Täglich eine halbe Stunde Wohlbefinden»

Die Behauptung sei gewagt: Bei jedem anderen Hilfswerk wäre der Wunsch, kulinarische Köstlichkeiten zu finanzieren, auf dem Stapel der freundlichen Absagen gelandet. SOS Beobachter hingegen sieht seine Rolle durchaus auch darin, genau solch unkonventionelle Unterstützungen zu leisten. «Wir beurteilen jeden Fall individuell und fragen uns, was dem Betroffenen in seiner momentanen Situation am besten weiterhilft», erklärt Stiftungsleiter Walter Noser. Das dürfe auch einmal aus dem Rahmen fallen, werde aber nie mit der Giesskanne verteilt. «Man kann bei uns nicht einfach Lammgigots bestellen.»

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Natürlich gilt auch bei der Hilfstätigkeit von SOS Beobachter die Maxime, mit den ausbezahlten Spendengeldern eine Not­lage möglichst nachhaltig zu beheben. Mit Lebensmittelgutscheinen allein lässt sich das nicht bewerkstelligen. Aber sie können ein wichtiger Puzzlestein sein, um dieses Ziel am Schluss zu erreichen. Der Vorteil der Stiftung etwa gegenüber staatlichen Sozialeinrichtungen sei, dass man sich nach weniger strikten Regularien richten müsse, so Noser. «Wir wollen und dürfen Ausnahmen machen.»

Helfen, wo sonst niemand hilft – durch dieses Prinzip kommen sozial isolierte Menschen unter die Leute, können Ressourcen gefördert, Erkrankungen gelindert oder Berufschancen aufrechterhalten werden. 

Die folgenden Beispiele sind Beleg dafür.

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Falls auch Sie SOS Beobachter mit einer Spende unterstützen wollen, können Sie eine dieser Überweisungsarten wählen:

Postkonto 80-70-2

IBAN: CH84 0900 0000 8000 0070 2

(Empfängeradresse: Stiftung SOS Beobachter, 8021 Zürich)

SOS Beobachter ist als gemeinnütziges Hilfswerk anerkannt. Ihre Spende ist steuerabzugsfähig. Die Spendenbestätigungen werden Ende Januar 2015 verschickt.