Das «Füürweerauto» habe sein Mami geholt, sagt der kleine Ruedi. Seine Worte lösen bei den Erwachsenen wohlwollendes Lächeln aus: «Du meinst die Ambulanz», sagt der Vater zu seinem fünfjährigen Sohn. Der Wildfang ist inzwischen vom Tisch gerutscht und rast aus der Küche. Seine Schwester Edith, ebenso behende wie ihr grösserer Bruder, gleitet vom Tisch auf die Bank und plumpst auf den Boden, um hinter Ruedi her zu rennen.

Für die beiden Kleinen ist heute die Welt in Ordnung. Denn die Mutter ist wieder zu Hause. Den 25. Oktober 1999, einen Montag, werden Elisabeth und Josef Müller-Burch jedoch nicht so schnell vergessen. Er habe an diesem späten Nachmittag im Stall «gwerchet», erzählt Josef Müller, als sein ältester Sohn Matthias laut weinend angerannt kam. «"S Mami"», so brachte der damals achtjährige Bub zwischen Schluchzern hervor, «"s Mami" liegt im Schlafzimmer am Boden und sagt kein Wort mehr.»

Mit Blaulicht wurde die Bäuerin ins Kantonsspital gefahren. Die Diagnose – schwere Hirnblutung – machte eine sofortige Verlegung mit dem Krankenwagen ins Inselspital Bern nötig. «Der Heli», so Josef Müller, «konnte wegen Nebels nicht fliegen.» Davon habe sie nichts mitbekommen, sagt Elisabeth Müller. «Ich weiss nur noch, dass wir mit Matthias zum Zahnarzt fahren wollten. Und ich erinnere mich, dass es in der Ambulanz kalt war. Dann wurde mir schwarz vor Augen.» Während Tagen lag die Bäuerin auf der Intensivstation. Zwar konnte das austretende Blut des geplatzten Gefässes im Hirn gestillt werden, doch die Heilung der 40-jährigen Frau schritt nur langsam voran.

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Kein Geld für Haushalthilfe
Zu Hause auf dem Hof musste das Leben ohne Mutter weitergehen. Der Schwager von Josef Müller half mit, und in den ersten Tagen lösten sich Bäuerinnen aus den benachbarten Höfen gegenseitig ab, um nach den drei Kindern zu sehen und das Nötigste im Haushalt zu besorgen. Später unterstützten Betriebshelferinnen die mutterlose Familie. «Es war eine schwierige Zeit», erinnert sich Josef Müller, und er hat Mühe, die Erinnerungen in Worte zu fassen. Leider hätten die Frauen jeweils nur für zwei, drei Wochen auf dem Hof bleiben können. Dieser ständige Wechsel «hat es den Kindern nicht leichter gemacht».

Heute – gut ein Jahr später – geht es der Bäuerin wieder erstaunlich gut. Ihre Sehkraft liegt zwar immer noch nur bei 40 Prozent. Doch den linken Arm, der durch die Hirnblutung vorerst gelähmt war, kann die Bäuerin beschränkt wieder einsetzen. Elisabeth Müller kann sich normal bewegen und leichtere Arbeiten im Haushalt verrichten. Um seine Frau zu entlasten, nimmt der Bauer je nach Wetter die beiden Buben mit nach draussen. Die zweijährige Edith ist aber noch zu klein.

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Die Bäuerin ist weiterhin auf Unterstützung im Haushalt angewiesen; doch die Familie in ihrem strengwerchigen Heimwesen weiss kaum, wo sie das Geld für diese Hilfe hernehmen soll. Zumal Josef Müller sein mühsam Erspartes vor zwei Jahren in den Lohn eines Betriebshelfers investieren musste, als er nach einem Unfall über Monate nur bedingt einsatzfähig war.

SOS Beobachter half auch hier, die Familie aus ihrer Notlage zu befreien.