Beobachter: Herr Noser, für viele in Not geratene Schweizerinnen und Schweizer sind Sie und die Mitarbeiter der Stiftung SOS Beobachter Weihnachtsmann und Osterhase in einem.
Walter Noser, Geschäftsführer Stiftung SOS Beobachter: Eher Engel! Wir bringen ja nicht unnötige Geschenke, sondern helfen in Notlagen. Den Dank von Notleidenden nehmen wir stellvertretend für unsere Spender entgegen. Im übertragenen Sinn sind sie die Engel, wir von SOS Beobachter sind lediglich das irdische Bodenpersonal.

Beobachter: Die Stiftung hilft, Armut zu bekämpfen. Gibt es in der Schweiz überhaupt Armut?
Noser: Es gibt so viele Menschen, denen es am Nötigsten fehlt. Da können einige Stimmungsmacher im Land noch so lange behaupten, das Netz der sozialen Sicherheit sei in der Schweiz bequem wie eine Hängematte. Es stimmt einfach nicht. Viele können ihre Krankenkassen-Prämien nicht bezahlen, ihre Kinder nicht in den Fussballklub schicken, die Heizkostenabrechnung nicht begleichen – oder können ihren verstorbenen Verwandten keine würdige Bestattung finanzieren.

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«Man soll eine Gesellschaft danach beurteilen, ob sie ihren schwächsten Mitgliedern ein anständiges Leben ermöglicht.»

Walter Noser, Geschäftsführer SOS Beobachter

Beobachter: Wie hilft SOS Beobachter im konkreten Fall?
Noser: Wir erhalten schriftliche Gesuche von Hilfsbedürftigen oder Vermittlungspersonen und leisten rasche und unbürokratische finanzielle Hilfe.

Beobachter: Welche Kriterien müssen Gesuche erfüllen, damit sie von Ihnen berücksichtigt werden?
Noser: Bei der Beurteilung von Gesuchen legen wir Wert darauf, dass eine Geldzahlung nicht bloss ein Tropfen auf den heissen Stein ist. Die uns anvertrauten Spendengelder zahlen wir nur aus, wenn sie ein Problem beheben können, einen Neuanfang ermöglichen – oder eine schwierige Lebenssituation zumindest erträglicher machen können.

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Beobachter: Was war der berührendste Fall in Ihrer bisherigen Laufbahn?
Noser: Es darf in unserer Arbeit nicht darum gehen, was wir berührend finden und was nicht. Wir dürfen uns nicht von Mitleid leiten lassen. Wir beurteilen Gesuche nach juristischen, soziologischen und psychologischen Grundlagen.

Beobachter: Seit wann gibt es die Stiftung SOS Beobachter und warum wurde sie damals ins Leben gerufen?
Noser: Solidarität mit den Schwächsten der Gesellschaft hat beim Beobachter Tradition. Bereits 1933 brachte eine Sammlung für Bergbauernkinder 50‘000 Franken und 27 Tonnen Kleider zusammen. 1952 rief der Beobachter die Stiftung «Beobachter-Fonds für Rechtsnothilfe» ins Leben. Sie sollte Rechtshilfe für Menschen bieten, die schweres Unrecht erdulden mussten und die sich aus eigener Kraft nicht wehren konnten.

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In den Folgejahren kam es immer häufiger vor, dass Abonnenten nach Geschichten über schwere Schicksale dem Beobachter Geld für die Betroffenen schickten. Mit der Zeit wurde das so viel, dass die damals Verantwortlichen richtigerweise fanden, es sei dafür eine eigene Rechnung zu führen, und das am besten in Form eines Fonds oder einer Stiftung. 1981 errichtete der Beobachter deshalb die «Stiftung Weihnachtsaktion» – heute SOS Beobachter – die Notleidende und soziale Projekte in der Schweiz unterstützt und Rechtshilfe leistet.

Beobachter: Wie finanziert sich die Stiftung?
Noser: Durch Spenden von Leuten, die wie Mani Matter denken: «Dene, wos guet geit, giengs besser, giengs dene besser, wos weniger guet geit.» Oder anders gesagt: dank der Grosszügigkeit von Menschen, die wissen, dass man eine Gesellschaft danach beurteilen soll, ob sie ihren schwächsten Mitgliedern ermöglicht, ein anständiges Leben zu führen. Leider sind die Spendeneingänge rückläufig. Aus diesem Grund sind wir leider gezwungen, Gesuche abzulehnen, die wir eigentlich gerne gutheissen würden.

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Beobachter: Wie kann man dazu beitragen, dass die Stiftung auch in Zukunft viele Menschen und Institutionen unterstützen kann?
Noser: Helfen Sie uns helfen! Sei es mit einer Spende oder einem Legat.

So können Sie spenden

Mehr Informationen zu der Stiftung finden Sie auf www.sosbeobachter.ch.

Spendemöglichkeiten:

Postkonto: 80-70-2

IBAN: CH84 0900 0000 8000 0070 2 (Empfänger: Stiftung SOS Beobachter, 8021 Zürich)