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SOS Beobachter25 Jahre Hilfe, wo sie am nötigsten ist

Seit einem Vierteljahrhundert engagiert sich die Stiftung SOS Beobachter für in Not geratene Menschen. Und konnte in dieser Zeit 68 Millionen Franken an Bedürftige weitergeben - dank der Grosszügigkeit der Beobachter-Leserinnen und -Leser.

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Stark für die Schwachen - mit diesem Grundtenor erhob der Beobachter bei seiner Gründung vor 80 Jahren landesweit seine Stimme und appellierte an die Solidarität mit Randständigen, Ausgegrenzten und Gestrauchelten. Das Bekenntnis wurde zum Programm, getragen von all den engagierten Leserinnen und Lesern, die sich jedes Jahr den Spendenaufruf der Redaktion zu Herzen nahmen. Heute wie damals.

Die Entwicklung von den früheren Einzelsammlungen bis zu den Statuten und zielgerichteten Aktivitäten der heutigen Stiftung SOS Beobachter liest sich als Erfolgsgeschichte - vor dem Hintergrund von versteckter Armut, Schicksalsschlägen und menschlichem Leid.

«Fast übermenschliche Tapferkeit»

In den Anfangszeiten des Beobachters kamen die Nöte und Sorgen der kleinen Leute in Briefen zum Ausdruck. Die Zeitschrift machte die stillen Hilferufe öffentlich. Im Januar 1929 etwa, also nur zwei Jahre nach der Gründung, rüttelte der Aufruf zugunsten einer Grossfamilie aus dem Kanton St. Gallen die Leserschaft auf. Nach dem Tod der Mutter drohte den elf Kindern die behördliche Einweisung in ein Heim: «Der Vater ist krank und gebrechlich. Das älteste, 15-jährige Mädchen hält mit fast übermenschlicher Tapferkeit die Familie durch. Aber auf die Dauer ist das unmöglich.» Dank Spenden konnte ein Betreuungsdienst auf die Beine gestellt werden, die schwer geprüfte Familie blieb schliesslich zusammen.

«Schweizer Kinder hungern und frieren!» - 1933 ging ein Aufruhr durchs Volk, als der Beobachter in seiner letzten Ausgabe des Jahres über die erbärmlichen Verhältnisse in den Familien der Bergregionen berichtete. Unterstützt von Pro Juventute, rief er zu Sach- und Geldspenden auf. Gerade die Bergler hätten Hilfe verdient, betonte er, «denn sie leiden ihre Not ohne Lärm und Klagen».


Die engagierte Zeitschrift setzte mit einer eigenen Spende von 500 Franken ein Zeichen der Solidarität, die landesweit aktiven Freiwilligen von Pro Juventute garantierten für eine gerechte Verteilung der Güter vor Ort. Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen: In knapp drei Monaten waren Fr. 51'113.90 zusammengekommen, an der zentralen Sammelstelle im Zürcher Helmhaus stapelten sich 27 Tonnen Kleider, Schuhe und Nahrungsmittel sowie 340 Paar Ski. Selbst Arbeitslose und Witwen hatten ihr Scherflein beigetragen. «Ein Werk der Barmherzigkeit», zog der Beobachter Bilanz und bedankte sich vielsagend: «Und es mag sich einer zu seinem Herrgott stellen, wie er will: Wohltun hat noch immer Segen gebracht.» Die Bergkinderaktion machte Schule, wobei ab 1938 die Sachspenden an die Winterhilfe weitergeleitet wurden.

Die grosse Not der Bergbauern

Nach dem Krieg blieb das harte Leben der mittellosen Bauern in abgelegenen Bergregionen ein Dauerthema. Im November 1946 redete der Beobachter den gutsituierten Bürgerinnen und Bürgern ins Gewissen, mit allen Mitteln «den Bergkindern zu helfen», und unterstützte den Aufruf von Pro Juventute, sich für den «Landdienst junger Töchter» zu melden: «Bergbäuerinnen warten auf eine helfende Hand.»

Auch versteckte Armut im Schatten des Wohlstands kam zur Sprache. 1950 machte der Beobachter den Fall eines älteren, verarmten Ehepaars aus Genf publik, das «wegen Arbeitslosigkeit und Wohnungskündigung» gemeinsam den Freitod wählte. «Lasst diese Verzweiflungstat nicht umsonst sein», schrieb der Beobachter in einem Kommentar.

Erstmals lief 1972 ein gezielter Spendenaufruf zum Jahresende unter der Bezeichnung «Weihnachtsaktion». Im Mittelpunkt stand der Bildungsnotstand für Behinderte ab 17 Jahren. «Auch behinderte Jugendliche haben ein Recht auf Weiterbildung», so die Forderung.

1973 kam der Erlös der Weihnachtsaktion erneut Bergbauern zugute, die Entbehrungen auf sich nahmen und deren Existenzgrundlagen durch einen finanziellen Zustupf verbessert werden konnten. Ein Jahr später thematisierte der Beobachter «bekannte und unbekannte Not» und machte auf tragische Lebensschicksale am Rande der Gesellschaft und unter Ausschluss der Öffentlichkeit aufmerksam.

Aus bescheidenen Anfängen hat sich die Weihnachtsaktion der siebziger Jahre zu einer eigenständigen Hilfsorganisation entwickelt. 1981 wurde die «Stiftung Weihnachtsaktion des Schweizerischen Beobachters» gegründet, 1982, also vor genau einem Vierteljahrhundert, trat sie öffentlich in Aktion.

Als Zielsetzung galt unbürokratische Hilfe zur Selbsthilfe, wenn Not am Mann war und die öffentliche Hand nicht mehr zum Tragen kam. Das Reglement über die Bearbeitung der Hilfsgesuche und den Einsatz von Mitteln aus der Stiftung war ebenso unbürokratisch wie einmalig: Bis zum Betrag von 1'000 Franken pro Fall und Jahr konnte ein einzelner, vollamtlicher Redaktor in eigener Kompetenz entscheiden. Abklärungen vor Ort übertrug er zuverlässigen Vertrauensleuten.

Hans Caprez, ehemaliger Beobachter-Redaktor und Mitglied des damaligen Stiftungsrats, erinnert sich, «Hunderte von Gesuchen» bearbeitet zu haben: «Ohne Behörden und Bürokratie war echte Direkthilfe möglich.» Schon damals kam jeder gespendete Franken vollumfänglich den Bedürftigen zugute.

Und schon damals brachte die Bevölkerung der Institution Beobachter Vertrauen entgegen. Caprez erzählt von einem Spender, der sich telefonisch bei ihm meldete und ihm sein Gespartes persönlich übergeben wollte. Der Redaktor traf den Mann in einem Café. Der Unbekannte übergab ihm eine Tragtasche voller Geldscheine - mit der Auflage, damit bedürftige Alkoholkranke zu unterstützen. Caprez brachte 140'000 Franken auf die Redaktion zurück, der Spender blieb anonym.

Grosse Augen machte auch die Mitarbeiterin beim Empfangsschalter des Beobachters, als eine ältere Dame mit einem Paket auftauchte. Sie verlangte eine Bestätigung für die Entgegennahme und verschwand. Auf dem Tisch lagen 150'000 Franken. Die anonyme Donatorin hielt schriftlich fest, ihr «sehr langes Leben melde sich ab», und verabschiedete sich mit einem «herzlichen Tschüss auf ewig».

Seit 1996 tritt die ehemalige Weihnachtsaktion unter dem Namen «Stiftung SOS Beobachter» auf. Eine professionelle Koordinationsstelle prüft seither die Gesuche. Die Infrastruktur ist nach wie vor einmalig. So wie der Verlag 1933 bei der ersten «Bergkinderaktion» den Transport der Güter in die abgelegenen Regionen selber finanzierte, so kommt der Beobachter heute für alle administrativen Kosten auf.

Jeder gespendete Franken ist ein Hilfefranken, der in Not geratenen Menschen Hoffnung und Lebensmut schenkt. Letztes Jahr konnten insgesamt 2182 Gesuchsteller auf die Stiftung zählen. Davon waren 1'368 auf Sozialhilfe angewiesen, 532 auf krankheitsbedingte Unterstützung und 265 auf Ausbildungszuschüsse. Ohne die Hilfe von SOS Beobachter wären sie auf der Strecke geblieben.

Tom Läubli

Ein Chrampfer gibt nicht auf

Der 30-Jährige hat mit Unterstützung von SOS Beobachter vor kurzem eine Berufslehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis abgeschlossen. Und ist zu Recht stolz darauf.

«Es ist geschafft.» Mit diesen drei Worten gab Tom Läubli in einem Brief an den Leiter der Koordinationsstelle der Stiftung SOS Beobachter, Thomas Schneider, seiner Freude und Dankbarkeit Ausdruck. Der 30-jährige Allrounder hatte im letzten Sommer die Lehre als Betriebspraktiker an der Berufsschule Thun mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis abgeschlossen. Ohne finanzielle Hilfe von SOS Beobachter hätte der Chrampfer die Ausbildung nicht schaffen können. Als Beweis, «dass sich Ihre Unterstützung gelohnt hat», legte er eine Kopie des Diploms und der Zeugnisse aller sechs Semester bei.

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«Nicht lernfähig»: Das wurde Tom Läubli attestiert. Jetzt hat ers allen gezeigt.

Für Thomas Schneider ist Läubli ein Mus-terbeispiel: «Der Gesuchsteller brachte Disziplin und Eigenverantwortung auf.» Zudem hat der Beitrag von SOS Beobachter im Leben des liebenswürdigen Eigenbrötlers eine nachhaltige Wirkung: Mit seinem Einmannbetrieb «Tom’s Werkstatt» ist er sein eigener Meister und hat erst noch einen Abschluss im Sack.

Auch als diplomierter Betriebspraktiker bleibt Tom Läubli seinem genügsamen Lebensstil treu. Er haust in Münchenbuchsee in einem Dachstock und erledigt Auftragsarbeiten wie Transporte oder Reparaturen. Mit einem Jahresverdienst zwischen 6000 und 7000 Franken komme er über die Runden.Nichts in seinem Leben bekam er auf dem Silbertablett serviert.

Die Eltern liessen sich scheiden, als er zweieinhalbjährig war. Erst wuchs er bei der Mutter auf, kam dann in eine Pflegefamilie und lebte später beim Vater. In der Schule fiel er durch seine Langsamkeit im Schreiben und die unzähligen Fehler auf. Er war längst erwachsen, als ein psychologisches Gutachten aus dem Jahr 1988 zum Vorschein kam, das ihn als Legastheniker einstufte. «Während der ganzen Schulzeit war die Therapie kein Thema», sagt er.Kein Wunder, hatte Tom Läubli nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit die Nase voll. Er träumte von einer Lehre als Geflügelzüchter. Bis er eine Lehrstelle fand, half er auf einem Bauernhof aus und zog als Wanderschäfer umher. Doch schon bald war der Traum einer Berufslehre aus, und er bekam die Kündigung. Die Begründung: Er sei «nicht lernfähig».

Läubli gab nicht auf. Er schaffte sich vor acht Jahren einen Kleintransporter an, kaufte nach und nach Gerätschaften hinzu und mietete ein Lager: «Tom’s Werkstatt» war geboren. Vor drei Jahren entschloss er sich doch noch zu einer «richtigen Lehre». Mit einer Sonderbewilligung konnte er im eigenen Betrieb weiterwerken. Für das Schulgeld kamen die Stiftung SOS Beobachter und andere Institutionen auf. Dass sich Tom Läubli als Markenzeichen und Maskottchen eine stilisierte Ameise auf die Fahne geschrieben hat, spricht für sich - und ihn.

Familie Grossberger

Das geschenkte Leben

Die siebenköpfige Familie entkam nur knapp einem Brand, der die gesamte Wohnung zerstörte. SOS Beobachter sorgte für das Allernötigste zum Neustart.

«Gott hat uns in jener Horrornacht beschützt», sagt Deborah Grossberger, Mutter von fünf Kindern im Alter von ein bis sieben Jahren. Für dieses «zweite Leben», das Leben nach dem Brand, danke ihm die Familie jeden Tag.

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Mit viel Glück überlebt: Moische, Bluma, Chana, Dinah und Toby Grossberger

Die Bilder der Horrornacht vom 16. auf den 17. Juni dieses Jahres sind Eltern und Kindern bis ins letzte Detail präsent. Der jüdische Sabbat, den die Familie in ihrer Zürcher Wohnung mit Gästen gefeiert hatte, war zu Ende. Bevor auch die Mutter nach ein Uhr morgens zu Bett ging, setzte sie die Geschirrspülmaschine in Betrieb. Eineinhalb Stunden später schlug Nachbar Fonseca vor der Wohnungstür Alarm: Er hatte bemerkt, dass die Küche im unteren Stock lichterloh brannte. Aus dem gekippten Fenster loderten Flammen.

Als Erste reagierte die älteste Tochter Bluma im Kinderzimmer neben der Küche. Ihre verzweifelten Schreie schreckten die Mutter aus dem Schlaf. Während der Vater Solomon Grossberger unter Schock stand, manifestierten sich bei der Mutter «übernatürliche Kräfte». In der rauchigen Dunkelheit tastete sie sich instinktiv zu ihrem jüngsten Kind vor, nahm es aus dem Bettchen und vertraute es dem Nachbarn vor der Tür an: «Retten Sie mein Baby.» Drei weitere Kinder verharrten in ihren Betten. Die Mutter brachte sie in Sicherheit. Plötzlich wurde ihr bewusst, dass die älteste Tochter noch nicht im Freien war, und sie schrie nach ihr. Mutter und Tochter fanden sich. Wenig später sass die siebenköpfige Familie barfuss und in Pyjama oder Nachthemd auf einem Mäuerchen vor dem Haus.

Mittlerweile waren Feuerwehr und Ambulanz vor Ort, die Bewohner im dritten und vierten Stock mussten evakuiert werden.«Wir alle standen Todesängste aus», erinnert sich die Mutter. Seither werden die Kinder psychologisch betreut. Sie wollen nicht mehr allein einschlafen, wachen immer wieder auf und kriechen bei der Mutter unter die Bettdecke.

Den schweren Brand verursacht hatte ein Defekt an der Geschirrspülmaschine. Bis die zerstörte Wohnung renoviert und wieder bezugsbereit war, lebte die Familie im Ausnahmezustand. Erst kam sie bei den Eltern der Mutter unter, dann in einer möblierten Wohnung. Freunde und Bekannte halfen spontan mit Kleidern und Alltagsutensilien, die unbürokratische finanzielle Unterstützung von SOS Beobachter deckte die allernötigsten Erstanschaffungen.

Mutter Deborah Grossberger sieht im neu-geschenkten Leben der Familie ein Zeichen Gottes, ein «himmlisches Wunder».

Senta Gubler

Der Kampf einer alleinerziehenden Mutter

Geschieden, krank und vom Exmann finanziell im Stich gelassen: SOS Beobachter zahlte Senta Gublers ausstehende Arztrechnungen.

Das Gröbste hat sie hinter sich: Die Gemeinde bevorschusst jetzt die Kinderalimente für die zwölfjährige Tochter Lisa, sie selbst hat Anspruch auf Sozialhilfe, und die Stiftung SOS Beobachter beglich die ausstehenden Arztkosten. Die alleinerziehende Senta Gubler (Name geändert) hat ihre Finanzen wieder im Griff. Als der Exmann die festgelegten Zahlungen ganz einstellte, häuften sich die Mahnungen und Betreibungen. Die Frauenberatungsstelle leitete bei den Behörden sofort die nötigen Schritte ein. «Auf Rosen gebettet» sei sie aber nicht. Mit gelegentlichen Putzaufträgen verdient sie sich einen kleinen Zustupf, auch wenn sie unter Rückenproblemen und den Spätfolgen einer Borreliose, ausgelöst durch einen Zeckenbiss, leidet.

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«Ich muss jeden Fünfer umdrehen»: Senta Gubler (Name geändert) mit Hund Lucie


Tochter Lisa braucht besondere Zuwendung und Unterstützung. Die Trennung der Eltern vor sieben Jahren belastete das Mädchen enorm, zumal es von den Kindern in der kleinen Gemeinde schikaniert und gefoppt wurde. Die Mutter erkundigte sich nach einem heilpädagogischen Kindergarten, damit Lisa zur Ruhe kommen und sich später in den Schulalltag integrieren konnte. Im November schaffte Lisa nun den Schritt in die Oberstufe.

Bei der Scheidung vor einem Jahr einigten sich die Eltern auf ein gemeinsames Sorgerecht. Die vier Jahre ältere Tochter zog wunschgemäss zum Vater, Lisa blieb mit der Mutter in der vertrauten Wohnung. An den Besuchen beim Vater liegt ihr immer weniger, seit er eine Freundin hat und auch die ältere Schwester am Wochenende häufig unterwegs ist.

«Ich muss jeden Fünfer zweimal umdrehen», sagt die Mutter. So habe sie auch schon Lebensmittel aus dem Einkaufswagen zum Regal zurückbringen müssen, weil sie zu wenig Geld hatte. Besonders trifft sie jeweils die Bemerkung, sie solle doch den Hund Lucie ins Tierheim geben. So spare sie die Kosten fürs Futter. Senta Gubler empört: «Man kann doch meiner Tochter und mir nicht alles wegnehmen, Lucie ist unser Ein und Alles.»

So kommt Ihre Spende an

  • Nehmen Sie bitte einen neutralen Einzahlungsschein und überweisen Sie Ihre Spende an die Stiftung SOS Beobachter, 8021 Zürich, Postkonto 80-70-2.
  • Sie können Einzahlungsscheine auch unter www.sosbeobachter.ch bestellen. Dort finden Sie ausserdem das Spendenbarometer, das wöchentlich aktualisiert wird.
Veröffentlicht am 16. November 2007