Patrizia Bertschi weiss von Jugendlichen, die zwei Jahre unterwegs waren, ehe es sie hierher verschlagen hat – allein, vertrieben, verzweifelt. «Da ging es einzig ums Überleben», sagt die Präsidentin des Vereins Netzwerk Asyl Aargau. Jetzt bräuchten diese Menschen, die oft ohne Angehörige aus ihrer Heimat geflohen sind, wieder eine Ordnung im Leben, jemanden, der sich um sie kümmert. Oder schlicht: «Eine Perspektive.»

Einen Beitrag dazu leisten will das Netzwerk mit seinem Bildungsprojekt für unbegleitete minderjährige Asylsuchende und Jugendliche von 16 bis 18 Jahren, die im Asylverfahren stehen. Der fast ausschliesslich aus Freiwilligen gebildete Verein springt damit in eine Bresche, die die Politik geschlagen hat: Im Aargau wurden die Bildungs- und Integrationsangebote für jugendliche Flüchtlinge massiv zusammengespart. Ziel des Netzwerks ist es, rund 40 Plätze für Unterricht und Tagesstrukturenzu schaffen. Der Beitrag von SOS Beobachter soll unter anderem für die Miete der Räume verwendet werden. Solche sind nach wie vor verzweifelt gesucht – 200 Quadratmeter mit Küche im Raum Aarau.

Im März startete das Projekt vorerst auf kleinem Feuer, mit 15 Betreuten, die provisorisch ein Jugendhaus nutzen. «Wir wollten loslegen, weil das Bedürfnis riesig ist und wir Erfahrungen sammeln wollen», so Netzwerk-Präsidentin Bertschi. Eine erste Erkenntnis ist: Alle Aktivitäten ums Kochen und Essen haben einen hohen Stellenwert. «In der Küche spielt sich das soziale Leben ab, und darauf mussten diese jungen Leute so lange verzichten.»

Verein Netzwerk Asyl Aargau

  • Baut ein Bildungsprojekt für unbegleitete Jugendliche im Asylverfahren auf.
  • SOS Beobachter unterstützt das Vorhaben mit 20'000 Franken für Miete, Mobiliar und Lehrmittel.