Hauptsächlich mit einem Software-Update will VW den Skandal um die mit Tricksoftware manipulierten Abgaswerte bei elf Millionen Autos in den Griff kriegen. Davon soll der Kunde nach dem Werkstattbesuch nichts merken. Ziel ist gemäss Generalimporteur Amag, dass die Motoren nach dem Update die gleiche Leistung und keine Änderungen des Verbrauchs zeigen.

Für die Besitzer der Schummelmotoren gute Neuigkeiten – für die Umwelt aber nicht. Experten gehen davon aus, dass das Update den Abgasausstoss nicht verringern wird. «Bei der Modifikation wird bei den 1,2- und 2,0-Liter-Motoren wohl primär die Tricksoftware entfernt. Der Abgasausstoss im realen Betrieb wird sich damit nicht wesentlich verändern», so Christian Bach, Abteilungsleiter Fahr­zeugantriebssysteme bei der eidgenössischen Materialprüfungsanstalt Empa.

Ganz legale Abweichungen

VW-Motoren* überschreiten beim Ausstoss von Stickoxiden den Grenzwert. Andere Hersteller schneiden noch schlechter ab.

Legende:  Milligramm pro Kilometer, WLTP-Messverfahren.

Quelle: Gaëtan Bally/Keystone

Im realen Betrieb produzieren die Fahrzeuge bedeutend mehr umweltschädliche Stickoxide als auf dem Prüfstand. Das ist ganz legal. Massgebend sind die während des gesetzlichen Testzyklus gemessenen Werte. Diese erreichen die VW-Motoren in Europa auch ohne Tricksoftware. «Hersteller, die den erlaubten Spielraum ausnutzen, um gute Resultate im Zyklus zu er­zielen, handeln nicht illegal», sagt Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamts für Stras­sen. Ausdrücklich nicht erlaubt seien aber laut europäischen Abgasvorschriften «Abschalteinrichtungen», die die Wirksamkeit des Emissionskontrollsystems verringern würden – auch dann, wenn die Tricksoftware gar nicht aktiv wird.

Grenzwerte um Vielfaches überschritten

Eine realitätsgetreuere Messung erhofft sich Rohrbach vom WLTP-Prüf­zyklus (Worldwide Harmonized Light ­Vehicles Test Procedure). Spätestens 2017 soll er in Kraft treten. Tatsächlich sind die Abweichungen im WLTP-Messverfahren gross. Das zeigt ein Test des deutschen ADAC. Die Euro-5-Grenzwerte werden um ein Vielfaches überschritten. Dabei stechen die VW-Skandal­autos nicht durch besonders hohe Schadstoffwerte hervor. Sie sind bloss durchschnittlich dreckiger, als es die offiziellen Werte vermuten lassen.