Als mein ältester Sohn 14 Jahre alt wurde, wollte er ein Mofa – was mich nicht unbedingt begeisterte. Ich bin überzeugter Radfahrer. Trotzdem schaute ich mich ein wenig um. Als Marketingmensch wurde mir dabei schnell klar, warum das Töffli am Verschwinden ist: Es lärmt und stinkt, ist technisch veraltet und im Unterhalt zu teuer. Die Dinger heissen nicht umsonst «Sackgeldverdunster».

Und doch wird das Mofa eine Marktlücke hinterlassen. Sie müssen sich nur im Quartier umsehen: überall Einbahnstrassen. Für Autos und Motorräder ist Schluss, Velos und Mofas hingegen ist die Durchfahrt meistens erlaubt. Das Gleiche gilt für künstliche Sackgassen. Dem Mofa stehen somit viele verkehrsarme Nebenstrassen und Velowege offen, die fast immer direkter zum Ziel führen als die grossen Strassen, an denen überall Ampeln stehen. Davon kann man profitieren. Also machte ich mich daran, ein zeitgemässes Mofa zu entwickeln. Eine blosse Töffli-Kopie mit Elektroantrieb ist mir nicht genug.

Mein Projekt heisst Logomotion, eine Verbindung von Logos und Motion: Verstand und Bewegung. Der menschliche Antrieb hat meistens viel mit Emotionen und wenig mit Vernunft zu tun – das gilt auch für den motorisierten Antrieb. Ich will schlaue Lösungen für Mobilität finden.

Jeder Staubsauger ist stärker

Deshalb habe ich angefangen, in meinem nahen Umfeld ein wenig Marktforschung zu betreiben. Einerseits kamen die erwartbaren Inputs: Man muss es überall abstellen können, es soll wartungsarm sein und leicht zu reparieren. Etwas war überraschend: Es mag am Alter liegen, aber meine Bekannten wollen lieber in ein Gefährt einsteigen, als sich draufzuschwingen. Also entwickelte ich einen Rahmen, der tiefen Einstieg und bequemes Sitzen ermöglicht.

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Bei anderen Bestandteilen setzte ich vor allem auf Vorhandenes: einen Sattel von Puch, ein Schutzblech von Ciao und Velobremsen von Shimano. Bei der Fahrzeugkontrolle fürchteten die Experten, dass diese nicht ausreichend Kraft hätten, um das Gefährt wie vorgeschrieben zu bremsen.

Vor allem der Testfahrer hatte das Gefühl, die Bremsen griffen nicht schnell genug. Aber das Messgerät zeigte, dass die Bremswirkung sogar besser war als vorgeschrieben. Das Geheimnis ist der tiefe Schwerpunkt: Der Fahrer spürt die Negativbeschleunigung weniger, weil er sie mit den Beinen auffangen kann. Diese Sitzposition hat sich übrigens einfach ergeben.

Das Design ist somit ein klassischer Fall von «form follows function», die Form ergibt sich aus der Funktion und der Reduktion auf das Wesentliche – das heisst, nicht ganz: Ritzel und Kette für den Pedalantrieb hätten das Gesamtbild zunichtegemacht. Deswegen haben wir auf eine 90 Jahre alte Technik zurückgegriffen und einen Pendelhubantrieb eingebaut. Nicht sehr effektiv, aber dem Gesetz ist damit Genüge getan.

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Eine weitere gesetzliche Bestimmung sagt, dass Mofas nicht schneller sein dürfen als 30 Kilometer pro Stunde. Der eingebaute Elektromotor kommt aus China, kostet ursprünglich 150 Dollar und leistet gerade mal 1000 Watt. Jeder Staubsauger hat einen stärkeren Antrieb. Trotzdem hätte mein Mofa damit um die 50 Kilometer pro Stunde erreicht. Deshalb liess ich den Elektromotor so wickeln, dass er nur 30 läuft. Es wäre auch möglich gewesen, die Höchstgeschwindigkeit via Steuerungssoftware zu drosseln. Aber dann würden die Kids anfangen, daran herumzumachen, und das will ich nicht. Schliesslich soll dieses Gefährt einmal in Serie gehen. Und wenn dann Eltern ihrem Kind eines kaufen, sollen sie Gewissheit haben, dass es jederzeit betriebssicher ist. Für die Stadt als Einsatzgebiet ist Tempo 30 sowieso genug.

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60 Rappen für 100 Kilometer

Derzeit arbeite ich an der sogenannten Homologation, an der Vereinheitlichung für eine serientaugliche Produktion. Wenn ich genügend Bestellungen zusammenkriege, lasse ich eine Serie herstellen. Ich hoffe, Grossbetriebe als Abnehmer zu gewinnen – zum Beispiel die Post, die ihre Angestellten frühmorgens mit heulenden Scootern in die Wohnquartiere schickt. Mein E-Mofa kann genügend Gepäck aufnehmen, ist leise, ökologisch und günstig – wir sprechen von 60 Rappen auf 100 Kilometer. Auch die Reichweite ist beachtlich: Bei einem Test im Winter bei null Grad Aussentemperatur hielt eine Akkuladung 54 Kilometer – um zur Arbeit zu pendeln, ist das allemal genug.

Nebenbei versuchen wir herauszufinden, ob man das Ding kaputtkriegt. Dazu leihe ich es Interessenten aus, die es unter extremen Belastungen verwenden. So auch einem Pizzakurier. Dessen Fahrer hatten zwar das Gefühl, weniger schnell zu sein. Das stimmt natürlich, weil ihre jetzigen Scooter 60 Kilometer pro Stunde fahren. Doch mit meinem Mofa stünden ihnen in der Stadt mehr und deshalb oft auch kürzere Wege ohne Verkehrsampeln offen. Mit einer guten Routenwahl sind die durchschnittlichen Lieferzeiten identisch. Wir haben das getestet.

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Auch ein Zeitungsverträger hat mein Gefährt zwei Wochen lang im Alltagsgebrauch ausprobiert. Das heisst, alle paar Meter immer wieder anfahren und bremsen, das Ganze mit einem 80 Kilogramm schweren Anhänger. Alles hielt. In seiner Rückmeldung kritisierte der Mann nur zwei Dinge: dass der Zündschlüssel sich schlecht drehen lasse, wenn er am Schlüsselbund hängt – und dass er das Mofa wieder zurückgeben müsse.