Auto fahren geht ins Geld. Besonders die Benzinpreise sind massiv gestiegen. Wer also sparsam fährt, schont nicht nur seine Nerven, sondern auch sein Portemonnaie. Kein Wunder, erfreuen sich die so genannten «Eco-Drive»-Kurse, die von Verkehrssicherheitszentren und Automobilverbänden angeboten werden, immer grösserer Beliebtheit.

Die «Eco-Drive Quality Alliance» ist 1999 zur Förderung und Verbreitung der «Eco-Drive»-Technik gegründet worden. Der Verein setzt sich aus Kursanbietern, Verkehrsverbänden und Stellen des Bundes zusammen. Er legt besonders Gewicht auf die Entwicklung der Ausbildung. Erklärtes Ziel ist es, den «Eco-Drive»-Fahrstil in der ganzen Schweiz zum festen Bestandteil der Fahrprüfung zu machen.

Im Rahmen eines «Eco-Drive»-Kurses lernen die Teilnehmenden eine ökologische und ökonomische Fahrweise. Dabei wird der bisher gepflegte Fahrstil kritisch hinterfragt. Nicht selten ist plötzlich falsch, was bis anhin als richtig galt. Flexibilität und Offenheit sind angesagt.

Regelmässig Reifendruck prüfen
Bei den «Eco-Drive»-Kursen des Verkehrs-Sicherheits-Zentrums Veltheim (VSZV) beginnt die Ausbildung mit einer ersten Testfahrt. Die Teilnehmenden werden aufgefordert, auf einer zirka 50 Kilometer langen, vorgegebenen Strecke so zu fahren, wie sie es normalerweise tun. Ein Messgerät hält verschiedene Werte fest, zum Beispiel Literverbrauch, Durchschnittsgeschwindigkeit oder Fahrkomfort. Der Beifahrer erhält ein kleines Zählwerk und drückt bei jeder Schaltung des Fahrers den schwarzen Knopf.

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Bei der Rückkehr wird das Messgerät abgelesen: Strecke 52 Kilometer, Fahrzeit 1,05 Stunden, Durchschnittsgeschwindigkeit 49,85 Kilometer pro Stunde, 110 Schaltungen, Verbrauch 3,72 Liter, Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometern 6,89 Liter. – Pause.

Im darauf folgenden Theorieblock werden die Teilnehmenden in die Kunst des sparsamen Fahrverhaltens eingeweiht. Das Thema erweist sich als unerwartet vielfältig. Sparsames Autofahren beginnt bereits vor dem Gasgeben.

Zum Beispiel beim Überprüfen des Reifendrucks. Gemäss Sepp Meyer, Instruktor im VSZV, kontrolliert nur jeder vierzigste Lenker an der Tankstelle seine Autopneus mit dem kostenlosen Luftmessgerät. «Die Kontrolle des Reifendrucks ist jedoch ausserordentlich wichtig. Jeder Reifen verliert Luft und wird dadurch weicher. Dementsprechend steigen Rollwiderstand und Energieverbrauch. Ein Verlust von 0,2 Bar Luft benötigt ein Prozent mehr Treibstoff und kann die Sicherheit vermindern.» Sepp Meyer empfiehlt deshalb, den Reifendruck alle ein bis zwei Monate zu kontrollieren und bei Bedarf zu erhöhen. In der Bedienungsanleitung des Autos finden sich die vorgeschriebenen Druckwerte; bei nachträglich angeschafften Rädern geben die Reifenhersteller Auskunft.

Energiefresser auf dem Autodach
Auch Fahrzeuge, die unnötig viel Gewicht (zum Beispiel Schneeketten im Sommer oder Werkzeuge) spazieren fahren, weisen einen höheren Treibstoffverbrauch auf. «Wenn alle 3,5 Millionen Personenwagen der Schweiz mit zehn Kilogramm weniger Gewicht unterwegs wären, könnten 22,5 Millionen Liter Treibstoff eingespart werden», so Meyer. Grosse Energiefresser sind zudem Dach- und Skiträger (+ 0,5 Liter bei 120 Kilometern pro Stunde), Skiboxen (+ 1,5 Liter) und Feriengepäck auf dem Dach (+ 2,1 Liter). Für erhöhten Benzinverbrauch sorgen weiter Heckscheibenheizungen, Klimaanlagen und Schiebedächer. Wobei anzumerken ist, dass eine Klimaanlage bei Geschwindigkeiten von über 80 Kilometern pro Stunde weniger Energie verbraucht als offene Autofenster, bedingt durch die starke Luftzirkulation.

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Dank moderner Einspritztechnik ist es bei heutigen Automotoren nicht mehr nötig, beim Anlassen zugleich das Gaspedal zu drücken. Im ersten Gang schluckt der Motor am meisten Benzin (Momentanverbrauch über 100 Liter pro 100 Kilometer). Deshalb sollte so bald wie möglich in den nächsthöheren Gang geschaltet werden, am besten bereits nach einer Wagenlänge. Sobald der Tourenzähler 2000 bis maximal 2500 Umdrehungen pro Minute anzeigt, sollte in einen noch höheren Gang geschaltet werden, wobei auch Gänge übersprungen werden können. Sepp Meyer: «Die neuste Motorentechnik, bei der die Leistung vor allem über das Drehmoment anstelle der Drehzahl genutzt wird, verlangt eine Anpassung der Fahrtechnik.»

Viele Autos weisen bei einer wenig sparsamen Fahrweise einen grossen Leistungsüberschuss auf, der ungenutzt verpufft. 10 PS reichen, um das Fahrzeug mit 50 Kilometern auf der Ebene zu bewegen. Deshalb gilt: das Fahrzeug im grösstmöglichen Gang rollen lassen, auch innerorts (50 Kilometer pro Stunde im fünften Gang). Fahren in höheren Gängen verhindert eine abrupte Kraftübertragung auf die Antriebsräder und damit eine Schleudergefahr.

Automatikgetriebe ist sparsamer
Autos mit Automatikgetriebe sind heute mehrheitlich sparsamer als handgeschaltete, weil sie später in den höheren Gang wechseln. Wobei der Fahrer bestimmt, bei welcher Geschwindigkeit das Auto schaltet. Wird das Gaspedal nur sanft gedrückt, wechselt der Automat den Gang nicht sofort und verbraucht so weniger Energie.

Weiter behandelt der «Eco-Drive»-Kurs das Fahren am Berg. Früher galt häufig die Faustregel: Für Fahrten bergauf wie bergab wird der gleiche Gang verwendet. Gemäss Sepp Meyer ist man mittlerweile davon abgekommen. «Wir empfehlen, bergauf wie bergab in einem möglichst hohen Gang zu fahren.» Bei einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde beträgt der Benzinverbrauch pro 100 Kilometer bergauf im dritten Gang (2200 Umdrehungen pro Minute) zirka 13,1 Liter, im vierten Gang (1500) 11,5 Liter und im fünften Gang (1300) 9,8 Liter. Bergab sinkt der Benzinverbrauch im höchsten Gang praktisch auf null, wenn das Gaspedal nicht gedrückt wird. Bei Bedarf können auf einem durchschnittlichen Gefälle Korrekturbremsungen durchgeführt werden. Die Angst vor einer Bremsüberhitzung ist laut Meyer bei den heutigen Fahrzeugen unbegründet.

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Eine vorausschauende Fahrweise bewirkt ebenfalls einen Spareffekt. Häufiges Schalten und Bremsen erhöhen den Treibstoffverbrauch sowie den Stress- und den Lärmpegel. Versucht man jedoch, die Verkehrsentwicklung im Voraus abzuschätzen, lässt sich die Geschwindigkeit so anpassen, dass man möglichst nie anhalten muss und dadurch nicht unnötig Energie verpufft. Dazu gehören auch Rollphasen mit gedrückter Kupplung im zweiten Gang.

An der Ampel empfiehlt es sich, den Motor auch bei kürzeren Haltezeiten abzustellen, sofern dies nicht das Wegfahren verzögert. Drei Minuten Leerlauf kosten gleich viel wie ein Kilometer Fahrstrecke mit Tempo 50. Sepp Meyer: «Es ist sinnvoll, ab dem dritten Fahrzeug den Motor abzustellen, wenn beim Betätigen des Anlassers kein Gas gegeben wird.» Fahrzeuge mit Katalysatoren sollten allerdings bei kaltem Motor respektive einer Betriebszeit von unter drei Minuten nicht abgestellt werden. Bei angelaufenen Fensterscheiben verzichtet man der Sicherheit zuliebe auf das Abstellen des Motors.

Klare Einsparungen nach Kursende
Im Auftrag des Bundesamts für Energie sind im Frühjahr 2000 Wirkung und Nachhaltigkeit der «Eco-Drive»-Kurse untersucht worden. Ehemalige Kursteilnehmende wurden befragt; zudem begaben sich je 75 Personen mit und ohne Kurserfahrung auf begleitete Testfahrten.

Daraus ergaben sich deutliche Unterschiede: «Eco»-Fahrende verbrauchen 10 bis 15 Prozent weniger Treibstoff als Personen ohne Kurserfahrung – bei sogar leicht höherem Tempo. Die sparsame Fahrweise beeinflusst Fahrkomfort und Fahrzeugverschleiss positiv. Auch wenn der Kursbesuch zwei oder mehr Jahre zurückliegt, fällt der Benzinverbrauch geringer aus als bei Personen ohne Kurserfahrung. «Zusammen mit den von ausgebildeten Fahrlehrern in "Eco-Drive" Unterrichteten sparen die "Eco"-Fahrer schätzungsweise knapp 60 Millionen Liter Benzin pro Jahr», ist aus der Studie weiter zu entnehmen.

In der zweiten Testfahrt zeigt sich, ob «normale» Autofahrer überhaupt in der Lage sind, die Theorie des «Eco-Drive»-Kurses in die Praxis umzusetzen. In der persönlichen Kursauswertung steht es schwarz auf weiss: Der durchschnittliche Literverbrauch per 100 Kilometer konnte von 6,89 auf 6,61 Liter gesenkt werden. Für 52 Kilometer wurden total 3,44 Liter benötigt – bei der ersten Testfahrt waren es noch 3,72 Liter. Die Anzahl der Schaltungen reduzierte sich um mehr als die Hälfte auf rund 52. Praktisch unverändert blieben dagegen die Durchschnittsgeschwindigkeit (vorher 49,85, jetzt 49,52 Kilometer pro Stunde) und die benötigte Fahrzeit (beide Male 1,03 Stunden).

«Wenn Sie auch weiterhin "ökolomisch" (= ökonomisch + ökologisch) fahren, sparen Sie pro Jahr 43,3 Liter Benzin. Auf die Bevölkerung der Schweiz umgerechnet, ergibt dies eine Einsparung von 129,9 Millionen Liter bei durchschnittlich 15'000 Kilometern pro Jahr», steht am Schluss des Auswertungsbogens.

Der neue Fahrstil ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Wer plötzlich im vierten Gang in einem Kreisel fährt und dabei immer wieder verunsichert auf den Tourenzähler blickt, erinnert sich unweigerlich an jene Zeit, als noch ein «L» hinten an Vaters Wagen klebte und die Fahrprüfung bald bevorstand.