Ja, Sie müssen die Busse bezahlen. Indem Sie den Mann am Weiterfahren hinderten, haben Sie ihn in seiner Handlungsfreiheit stark beeinträchtigt, womit der «Tatbestand der Nötigung» erfüllt ist. Sie wollten dem Raser einen Denkzettel verpassen, ihn ein für allemal zwingen, sein Fahrverhalten zu ändern, und haben sich damit selber strafbar gemacht. Somit musste die Polizei die Strafanzeige gegen Sie entgegennehmen. Ärgerlich ist allerdings, dass die Polizei dem Raser die übersetzte Geschwindigkeit nicht nachweisen und ihn demzufolge nicht büssen konnte.

Vorsicht bei Parksündern
Auch wer seinen privaten Parkplatz besetzt vorfindet, würde gern mal Selbstjustiz üben und den Falschparkierer am Wegfahren hindern. Es reicht ja, sein eigenes Auto knapp dahinter abzustellen. Der Falschparkierer soll sich mal schön ärgern, wenn er nicht wegfahren kann, und sein Problem selber lösen. Aber aufgepasst: Auch hier riskiert der Parkplatzbesitzer eine Busse wegen Nötigung. Wer anderseits gleich den Abschleppdienst organisiert, hat ein Problem, wenn der Halter die Kosten nicht übernehmen will. Gerechtfertigt ist das Abschleppen jedoch dann, wenn der Wagen eine Ausfahrt blockiert und der Halter nicht schnell kontaktiert werden kann. Wer seinen Parkplatz regelmässig besetzt vorfindet, kann zum Beispiel eine Kette anbringen oder ein richterliches Parkverbot anordnen lassen.

Nicht genötigt werden Falschparkierer, die trotz richterlichem Parkverbot das Auto abstellen und vom Parkplatzbesitzer unter Androhung einer Strafanzeige aufgefordert werden, eine Umtriebsentschädigung zu bezahlen. 30 Franken seien nicht überrissen, entschied kürzlich das Bundesgericht. Trotzdem sollten Privatpersonen besser nicht Polizist spielen, sondern Parksünder anzeigen.

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