Mit Erfolg erprobt Burgdorf seit zwei Jahren das neue Verkehrsmodell «Flanierzone». Im Wohn- und Geschäftsquartier rund um den Bahnhof haben die Fussgänger auch auf der Strasse Vortritt. Für die Autos gilt Tempo 20.

Die Behörden registrieren zwar ungefähr gleich viele Bagatellunfälle wie früher, für die Fussgänger sei das Verletzungsrisiko aber geringer. «Das Quartier ist sicherer geworden, weil viel weniger schnell gefahren wird», sagt Co-Projektleiter Kurt Schürch. Im Schnitt sind die Autos mit Tempo 25 unterwegs, der überwiegende Teil aller Automobilisten hält sich zumindest an Tempo 30. Das sei zwar «nicht schlecht», meint Schürch, der Verkehr müsse aber weiter gebremst werden. Deshalb wird die Flanierzone umgestaltet: Trottoirs verschwinden oder werden verbreitert, Fussspuren auf der Strasse betonen das Vortrittsrecht der Fussgänger, und feste Signale ersetzen die losen Transparente. Mit viel Skepsis verfolgte bisher das Bundesamt für Strassen den Versuch. Denn im Gesetz ist die Flanierzone nicht vorgesehen. Erlaubt sind «Fussgängerzonen», «Wohnstrassen» oder «Tempo-30-Zonen». Doch jetzt ist das Eis gebrochen. Der Nationalrat überwies im letzten Dezember einen Vorstoss von Hermann Weyeneth (SVP, BE), der eine rechtliche Verankerung der Flanierzone verlangt. Weyeneth erhofft sich eine «Aufwertung der Zentren, Verkehrssicherheit und ein friedliches Nebeneinander der Verkehrsmittel.»

Die Burgdorfer sind erleichtert. Zum Glück sei nie ein schwerer Unfall passiert, sagt Kurt Schürch. «Sonst hätten wir das Experiment sofort abbrechen müssen.» Für andere Orte wird jetzt der Weg frei, ebenfalls Flanierzonen einzuführen. Verschiedene Gemeindebehörden haben das Modell schon begutachtet.