Das Leben von Claudia Suter hätte am 17. März 2003 vorbei sein können. «Ich sah nur noch einen weissen Fleck», sagt die heute 35-Jährige. Sie war mit 80 Kilometern pro Stunde auf einer Landstrasse Richtung Mattwil im Kanton Thurgau unterwegs. Ein anderer Lenker übersah an einer Kreuzung ihren Wagen und rammte diesen zwischen Radkasten und Fahrertür. Der Unfallverursacher konnte später nicht mehr sagen, ob er am Stoppsignal angehalten hatte oder nicht. Jedenfalls sah er Suter nicht kommen.

Vom Moment der Kollision bis zu jenem, als ihr Wagen 30 Meter weiter zum Stillstand kam, weiss Suter nichts mehr. Sie konnte ihr Auto zwar aus eigener Kraft verlassen, wurde aber wegen starker Nackenschmerzen und Lähmungserscheinungen in der Hand ins Spital gebracht – und noch am gleichen Tag mit Halskrause und Medikamenten wieder entlassen.

Ihr Zustand verschlechterte sich jedoch. Die Schmerzen wanderten vom Nacken ins Schulterblatt, in den Rücken und ins Bein. Sitzen, gehen, stehen – alles bereitet Suter seither Schmerzen. Das wechselnde Schmerzbild führte zu einer jahrelangen Odyssee von Arzt zu Arzt. Erst eigene Internetrecherchen brachten die richtige Diagnose: myofasziales Schmerzsyndrom. Durch den Aufprall bei der Kollision wurden an verschiedenen Stellen von Suters Körper Muskelfasern geschädigt. Einzige Therapie: Diese Stellen werden mit Akupunkturnadeln «stimuliert» – manchmal zentimetertief im Muskel. Nach diesen Sitzungen ist Claudia Suter jeweils mit blauen Flecken übersät, leidet und schläft schlecht.

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Immerhin: Langsam bessert sich ihre Verfassung. Seit zwei Jahren arbeitet sie zu 50 Prozent in der Firma ihres Mannes mit. Die Büroarbeit kann sie selbst einteilen. Die Schmerzen werden sie aber noch lange begleiten. Trotzdem: «Nie aufgeben», sagt Claudia Suter. «Immer nach vorne schauen.»